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Dr. Dimitrios Scordas Absolvent der Meduni Wien, zurzeit auf Gynäkologie-Ausbildung in Joensuu, Finnland
 
Gesundheitspolitik 4. Mai 2011

Turnus im Ausland: "Das Gefühl, gebraucht zu werden“

Warum haben Sie sich entschlossen, ins Ausland zu gehen?

Scordas: Meine Mutter ist Finnin, mein Vater Grieche, beide haben sich in Wien niedergelassen. Es liegt mir also wohl im Blut. Schon früh während des Studiums war mir klar, dass ich internationale Erfahrung sammeln möchte.

Die Wahl fiel wegen Ihrer Mutter auf Finnland?

Scordas: Zum Teil schon, ich habe auch ein wenig Finnisch gesprochen. Andererseits gilt Skandinavien als Ärzteparadies und Finnland ist das aufgrund des in diesem Land herrschenden dramatischen Ärztemangels vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Arbeitsbedingungen und auch die Entlohnung sind sehr gut.

Wenn Sie die Ausbildungssysteme vergleichen, was fällt auf?

Scordas: In Finnland geht alles viel schneller, Selbstständigkeit ist gefragt. Am Anfang haben ausländische Ärzte oft das Gefühl, ins kalte Wasser geworfen zu werden, weil sie ab dem ersten Tag auf sich gestellt sind. Finnische Kollegen sammeln schon während ihres Studiums viel mehr praktische Erfahrung, für sie ist der Wechsel nicht so krass.

Dafür hat man einen Oberarzt an seiner Seite, der sich für alle Fragen und Probleme Zeit nimmt. Meine tägliche Arbeit unterscheidet sich kaum von der eines fertigen Arztes. Man lernt schnell und sehr viel, es gibt keine Leerläufe. Und man hat jeden Tag das Gefühl, gebraucht zu werden.

Werden Sie nach Ihrer Ausbildung zurück nach Österreich kommen?

Scordas: So ist der Plan. Momentan ringe ich aber gelegentlich mit der Versuchung, in Finnland zu bleiben, weil ich mich wohl fühle und die Ausbildung optimal ist. Ich werde fast täglich gefragt, ob ich nicht bleiben möchte. Das hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Am Ende wird wohl die private Situation ausschlaggebend sein, wo mein Lebens- und Berufsmittelpunkt liegen wird.

Das Gespräch führte Volkmar Weilguni.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 18 /2011

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