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Gesundheitspolitik 1. April 2011

Entwicklung eines sensitiven und spezifischen Assays zur Bestimmung von Glucocorticoid-Bioaktivität

Glucocorticoidhormone spielen eine wichtige Rolle im Energiehaushalt und in der Stressantwort des menschlichen Körpers und gehören zu den weltweit am meisten verschriebenen antiinflammatorisch und immunsuppressiv wirksamen Medikamenten. Trotz großem Erfolg in der Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten entwickeln manche Patienten unter Glucocorticoidtherapie gravierende Nebenwirkungen, wohingegen andere auf die Therapie nicht ansprechen. Verschiedenartige pharmakodynamische und pharmakokinetische Vorgänge tragen möglicherweise zu diesen individuellen Unterschieden in der Glucocorticoidsensitivität bei. Routinemäßig werden antikörperbasierte Methoden wie RIA (Radioimmunoassay) und ELISA (Enzyme-linked immunosorbent assay) verwendet, um Serumkonzentrationen von Glucocorticoiden, meist Cortisol, zu bestimmen. Bei diesen Techniken wird allerdings zumeist die Gesamtmenge eines spezifischen Glucocorticoids gemessen und nicht zwischen proteingebundenen und frei verfügbaren (biologisch aktiven) Glucocorticoiden unterschieden. Zudem differenzieren diese Assays nicht zwischen endogenen und therapeutisch eingesetzten Glucocorticoiden, sodass nicht die Menge an aktiven Hormon bzw. das "Glucocorticoidmilieu" eines Patienten widergespiegelt wird. Die Möglichkeit, Glucocorticoidbioaktivität im Serum oder anderen Körperflüssigkeiten zu bestimmen, könnte bei der Identifizierung Glucocorticoid-sensitiver und -resistenter Patienten helfen und dazu beitragen, Erklärungen für das unterschiedliche Ansprechen einzelner Patienten zu finden. Aus diesem Grund entwickelten wir einen Glucocorticoidbioaktivitätsassay, der auf der Messung von Glucocorticoid-abhängiger Aktivität eines Reportergens beruht. Die Verwendung einer T-Zell-Leukämie-Linie, ausgestattet mit dem Glucocorticoidrezeptor und dem Fluoreszenzprotein Venus als Reporter (JurkatGR-MMTV-VNP), ermöglicht die Bestimmung von Glucocorticoidbioaktivität aus kleinen Mengen Serum oder anderen biologischen Flüssigkeiten. Der etablierte Assay ist sensitiv und reproduzierbar – ohne nennenswerte Kreuzreaktivität mit anderen Steroidhormonen – und kann ohne Aufwand im Routinelabor eingesetzt werden.

Bastian Oppl, Anita Kofler, Siegfried Schwarz, Johannes Rainer, Reinhard Kofler, Wiener klinische Wochenschrift 7/8/2011

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