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Fotos: Bundesministerium für Gesundheit
Doz. Dr. med. Pamela Rendi-Wagner MSc ist neue Leiterin der Sektion III, Öffentlicher Gesundheitsdienst und medizinische Angelegenheiten.
 
Gesundheitspolitik 19. April 2011

Das neue Gesicht in der Public Health

Vertrauen schaffen, sich als Teamplayer positionieren und bewährte Kommunikationsschienen stärken – Dr. Pamela Rendi-Wagner über ihre neue Aufgabe als Leiterin der Öffentlichen Gesundheit.

Im Gespräch mit Doz. Dr. med. Pamela Rendi-Wagner MSc, Leiterin der Sektion III, Öffentlicher Gesundheitsdienst und medizinische Angelegenheiten, im Bundesministerium für Gesundheit.

Sie leiten seit rund einem Monat die Sektion III, Öffentlicher Gesundheitsdienst und medizinische Angelegenheiten, im Bundesministerium für Gesundheit. Welche erste Zwischenbilanz ziehen Sie?

Rendi-Wagner: Auch nach den ersten vier Wochen in meiner neuen Rolle kann ich meine Erwartungen nur bestätigen, nämlich, dass es sich hierbei um eine der spannendsten Gestaltungspositionen im Public Health-Bereich in Österreich handelt.

Was waren für Sie die drei wesentlichsten Amtsaktivitäten des letzten Monats?

Rendi-Wagner: Das Wesentlichste zu Beginn meiner Tätigkeit war das persönliche Kennenlernen meines Mitarbeiterteams, eine Gruppe hochqualifizierter und erfahrener Experten und Expertinnen – hier gilt es, Vertrauen zu schaffen, sich auch als Teamplayer zu positionieren und bewährte Kommunikationsschienen zu stärken bzw. neue zu aktivieren. Nur so erscheint mir eine erfolgreiche und erfüllende Arbeit möglich.

Wenige Tage nach meinem Antritt kam es zur verheerenden Katastrophe in Japan – das erforderte das Setzen rascher und effektiver Maßnahmen im Sinne eines Krisenmanagements – eine interessante Herausforderung!

Eine beeindruckende Erfahrung vor wenigen Tagen war für mich auch die Neukonstituierung des Obersten Sanitätsrats, dem wichtigsten beratenden Gremium der Republik, dem ich als Leiterin der medizinischen Sektion ja nun selbst angehören darf.

Welche Agenden stehen bis zum Jahresende auf Ihrem Arbeitsplan?

Rendi-Wagner: Der Vollausbau des elektronischen epidemiologischen Meldesystems mit Implementierung einer Labor- und Ärzteschnittstelle steht für dieses Jahr ganz oben auf unserer Agenda. Das EMS stellt in Österreich einen wahren Paradigmenwechsel in der Infektionssurveillance dar – und, wenn Sie so wollen, auch ein ganz persönliches Anliegen meinerseits als Infektionsepidemiologin. Damit in Zusammenhang steht auch die aus meiner Sicht überaus notwendige Überarbeitung des Geschlechtskrankheiten- und Epidemiegesetzes.

Auch die Erarbeitung und Definition von sogenannten Gesundheitszielen in breitem Konsens mit allen involvierten Bereichen nach dem Motto „Health in All Policies“ steht auf unserem Arbeitsplan. Als erstes Diskussionsforum wird es hierzu eine große Bundesgesundheitskonferenz im nächsten Monat geben.

Wo werden Sie Ihre Schwerpunkte setzen?

Rendi-Wagner: Die Prioritätensetzung in meiner Arbeit ergibt sich aus den anstehenden Notwendigkeiten. Wie schon zuvor ausgeführt, besteht auf dem Gebiet der epidemiologischen Überwachung ein klarer Nachholbedarf, um hier auch international mithalten zu können. Dieser Bereich war tatsächlich sehr lange vernachlässigt worden – die richtigen Schritte, um eine adäquate epidemiologische Datenqualität im Sinne einer modernen Surveillance zu schaffen und damit die Grundlage für zielgerichtete Präventionsmaßnahmen, sind gesetzt. Weitere wichtige Schwerpunkte liegen auf den Gebieten der Kindergesundheit, Ernährung und Prävention.

„Frauen sind in Spitzenpositionen noch immer stark unterrepräsentiert“ – das war mit ein Grund, warum Gesundheitsminister Stöger Sie als eine von drei Frauen in eine Spitzenposition im Gesundheitsministerium geholt hat. Welche Erfahrungen haben Sie mit der so genannten „gläsernen Decke“ gemacht?

Rendi-Wagner: In meiner bisherigen beruflichen Laufbahn an der Medizinischen Universität Wien kann ich durchgehend über positive Erfahrungen berichten. Zweifellos fordert die Doppelbelastung, der man als berufstätige erfolgreiche Frau mit Kind begegnet, eine große Kompromissbereitschaft und oft einen Spagat zwischen beruflicher Flexibilität und familiärer Harmonie. Gleichzeitig sehe ich darin, zusätzlich zur eigentlichen beruflichen Aufgabe, eine sensationell spannende persönliche Herausforderung – wenngleich das meist auf keine öffentliche Anerkennung trifft. Was meine jüngste Ernennung als Frau betrifft, so kann ich bestätigen, dass es ein ganz großes persönliches Anliegen des Bundesministers ist, gerechte Aufstiegschancen für qualifizierte Frauen im Gesundheitsbereich zu fördern.

Die Leitung der Abteilung 8 „Frauen-, Kinder- und Jugendlichengesundheit“ ist derzeit unbesetzt. Was heißt das konkret für die praktische Arbeit und gibt es schon Pläne zur Nachbesetzung?

Rendi-Wagner: Diese sehr wichtigen Agenden werden zum größten Teil von der Abteilung 6 „Gesundheitsförderung und Prävention“ und auch von meinem Büro bestens abgedeckt.

Welchen Stellenwert haben Gesundheitsförderung und Prävention im Rahmen der österreichischen Gesundheitspolitik – und welchen sollten sie Ihrer Meinung nach haben?

Rendi-Wagner: Gesundheitsförderung und Prävention stellen unverkennbar einen Schwerpunkt in der gegenwärtigen Gesundheitspolitik dar. Das spiegelt sich auch in der großen Anzahl an laufenden Projekten, wie zum Beispiel dem nationalen Aktionsplan Ernährung, der nationalen Umsetzung der EU-Salzreduktionsstrategie, der Ernährungspyramide für Schwangere, die demnächst den Mutter-Kind-Pässen beiliegen wird, wider. Dann möchte ich in diesem Zusammenhang auch noch die erfolgreiche Informationsoffensive an Österreichs Volksschulen gegen Alkohol und Rauchen erwähnen.

Ich denke, in Zeiten wachsender Kosten im Gesundheitsbereich, verbunden mit einer stetig steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung, muss ein klarer Umdenkprozess stattfinden: Weg von der Einbahnstraße Reparationsmedizin hin zur Frage: Was können wir alle tun, um länger gesund zu bleiben? – Es geht im Wesentlichen darum, ein Gesundheitsbewusstsein und sozial gerechte Rahmenbedingungen zu schaffen, die es jedem Einzelnen ermöglichen, selbst auf seine Gesundheit zu schauen und einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Hierzu bedarf es einer koordinierten Beteiligung aller Politikbereiche – eine wahrlich große Herausforderung.

Wenn Sie drei Wünsche für die heimische Gesundheitspolitik im heurigen Jahr frei hätten – welche wären das?

Rendi-Wagner: Den Brief ans Christkind schreibt meine Tochter …

Das Gespräch führte Mag. Renate Haiden

Mag. Renate Haiden, Ärzte Woche 16 /2011

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