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Foto: Haavar Karlsen
Seit Herbst wurden über 21.000 Impfungen verabreicht.
 
Gesundheitspolitik 6. April 2011

„Ärzte ohne Grenzen“ fordern Hilfe in Afrika

Demokratische Republik Kongo: Masernausbruch gerät außer Kontrolle.

Im letzten halben Jahr hat sich in der Demokratischen Republik Kongo ein Masernausbruch ausgebreitet. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen ruft zu einem internationalen Großeinsatz auf, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

 

„Der Masernausbruch gerät außer Kontrolle”, erklärt Gaël Hankenne, Landeskoordinator für Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) in der Demokratischen Republik Kongo. „Seit dem September 2010 haben wir über 1,5 Millionen Kinder geimpft, um den Ausbruch in Zaum zu halten, aber die Krankheit verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Alle im kongolesischen Gesundheitssektor tätigen Akteure müssen die Epidemie zu einer nationalen Priorität erklären.”

Über die letzten sechs Monate hat Ärzte ohne Grenzen mit einem umfangreichen Nothilfeeinsatz gegen den Ausbruch gekämpft. Dazu gehörten Impfungen ebenso wie die Behandlung und die Sammlung epidemiologischer Daten in Katanga, Kasaï Occidental und Südkivu. Neue Ausbrüche gab es in den Provinzen Bandundu, Kasaï Oriental und Maniema. Die Epidemie breitet sich rasch nach Norden aus.

Der für Behandlung und Impfungen notwendige personelle, finanzielle und logistische Aufwand ist immens und kann nicht allein von Ärzte ohne Grenzen als einzigem Akteur im ganzen Land getragen werden. „Wir rufen das kongolesische Gesundheitsministerium dazu auf, unverzüglich auf Ausbrüche in den anderen Provinzen und in jeglicher neu betroffenen Gesundheitszone zu reagieren”, erklärt Geza Harzi, Koordinator für Ärzte ohne Grenzen in Katanga. „Gleichzeitig rufen wir internationale Geber und Institutionen sowie im Kongo tätige Gesundheitsorganisationen, insbesondere Organisationen der Vereinten Nationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF und NGOs, dazu auf, unverzüglich einzugreifen. Wir fordern, dass diese entweder sofort Nothilfemittel bereitstellen oder aber selbst in der Masernbekämpfung aktiv werden. Falls dieser internationale Einsatz nicht schnell erfolgt, wird es unmöglich sein, die Ausbreitung der Masern im Kongo in den Griff zu bekommen“.

Nach Auskunft von Ärzte ohne Grenzen können Masern dort, wo die Menschen nicht geimpft wurden, zwischen einem und 15 Prozent der erkrankten Kinder töten. Bei besonders empfindlichen Gruppen, etwa bei Menschen, die auf der Flucht oder mangelernährt sind, kann die Sterblichkeitsrate auf bis zu 25 Prozent ansteigen, wenn diese nur eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, wie dies in vielen Teilen der Demokratischen Republik Kongo der Fall ist.

Die Organisation weitet den Nothilfeeinsatz in drei Provinzen weiter aus: in Tshikapa (Kasaï Occidental), in Fizi (Südkivu) und in Kolwezi und Likasi (Katanga). Mehr als eine Million Kinder werden durch diese Notimpfungen vor Masern geschützt werden. „Seit September 2010 haben wir im Kongo über 21.000 Patienten mit Masern behandelt”, erklärt Hankenne. „Jetzt muss ein internationaler Großeinsatz erfolgen.”

 

www.aerzte-ohne-grenzen.at 

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