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Gesundheitspolitik 6. April 2011

Schulimpfungen vorerst ausgesetzt

Drei Standpunkte zur flächendeckenden Aufklärung der Patienten im Rahmen von Schulimpfungen.

Ein OGH-Urteil stellt die etablierte Praxis von Schutzimpfungen in Österreichs Schulen in Frage: Weil ein Kind nach einer Hepatitis-B-Impfung eine seltene Nebenwirkung erleidet und daraufhin erblindet, wird eine Ärztin schuldig gesprochen, ihrer mündlichen Aufklärungspflicht nicht in ausreichendem Maße nachgekommen zu sein. Daraufhin empfiehlt die Ärztekammer den 2.500 Schulärzten, bis zu einer eindeutigen Klärung der Haftungsfrage nicht mehr zu impfen.

 Juristen des Gesundheitsministeriums bemühen sich nun um eine Lösung. Ob ihr Entwurf einer neugestalteten Einverständniserklärung, die auf mögliche Nebenwirkungen dezidiert hinweist und Eltern eine Aufklärung in den Sprechstunden des Schularztes anbietet, allerdings juristisch haltbar ist, bleibt umstritten. Über die Folgen sind sich Experten uneinig. Die einen sehen das Impfen nicht als Kernaufgabe der Schulmedizin und meinen, Kinder wären bei ihrem Hausarzt ohnehin besser aufgehoben, weil der die medizinische Vorgeschichte und das familiäre Umfeld kennen würde.

Andere aber fürchten als Konsequenz einer nicht mehr angebotenen flächendeckenden Impfung in der Schule eine Gesundheitsgefährdung vor allem für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Milieus. Sie würden dann gar nicht mehr zu den Impfungen kommen, weil diese in der privaten Praxis oft nicht gratis sind und sich berufstätige Eltern kaum Zeit für zusätzliche Arztbesuche nehmen würden.

Kunze_  weberneu_  Damm_ 

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Sachliche Diskussion statt Panikreaktion"
Ich bin für die Beibehaltung des dualen Systems von Haus- und Schulärzten
Prof. Dr. Michael Kunze Vorstand am Institut für Sozialmedizin der Meduni Wien
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Standpunkt 2
"Rechtliche Klärung dringend erforderlich"
Wenn alle Kriterien erfüllt sind, stehen wir Schulärzte gerne zur Verfügung
Dr. Gudrun Weber Leiterin des Schulärztereferats der Wiener Ärztekammer
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Standpunkt 3
"Roulette bei Schulimpfungen beenden"
Ministerien müssen endlich ihrer Verpflichtung nachkommen.
Dr. Lilly Damm Child Public Health, Institut für Umwelthygiene, Zentrum für Public Health, Meduni Wien
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Von Mag. Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 14 /2011

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