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Foto: ©iStockphoto.com/erwo1
 
Gesundheitspolitik 30. März 2011

Mehr geht nicht

Im internationalen Vergleich gibt es in Österreich häufiger risikoreiche Mehrlingsgeburten als in anderen Staaten. Fehlen klare Gesetze oder arbeiten manche Reproduktionsmediziner verantwortungslos?

Rund um die Fünflingsgeburt im Wiener AKH wurde wieder einmal die Diskussion um die Frage virulent: Wie weit dürfen Reproduktionsmediziner gehen? Die Anzahl künstlicher Befruchtungen steigt in Österreich kontinuierlich an. Über 1.500 Kinder kommen jedes Jahr so zur Welt. In-vitro-Fertilisierung (IVF) und Hormonbehandlung sind wesentlich mitverantwortlich für das problematische Ansteigen von Mehrlingsschwangerschaften und Frühgeburten, ein großes gesundheitliches Risiko für Kinder und Mütter. Um dieses zu minimieren, müsste die Zahl der implantierten Embryonen im Rahmen der IVF sowie der Hormontherapien begrenzt werden. In vielen europäischen Ländern – etwa in England, Deutschland oder Schweden – gibt es dafür bereits klare gesetzliche Regelungen.

In Österreich gibt es bislang „nur“ Empfehlungen der IVF-Gesellschaften. Diese würden jedoch, meinen viele Experten, oft zu großzügig ausgelegt oder – in manchen Privatkliniken – überhaupt ignoriert. So werden in einzelnen Fällen entgegen den Richtlinien der europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin immer noch drei oder mehr Embryonen transferiert. Die Folge: Jedes vierte IVF-Baby ist ein Zwilling und auch bei Drillingen ist die Anzahl um ein Vielfaches höher als bei der natürlichen Befruchtung. Mit den risikoreichen Mehrlingsschwangerschaften nimmt aber auch die Zahl der Komplikationen signifikant zu.

Prof. Dr. Wolfgang Urdl Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie  Prof. Dr. Peter Husslein Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, AKH Wien  Dr. Leonhard Loimer Vorstand der KinderWunschKliniken Wels und Wien

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1

"Empfehlung statt gesetzlicher Limitierung"
Wir erwarten, dass die Reproduktionsmediziner ihre Verantwortung wahrnehmen.
Prof. Dr. Wolfgang Urdl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie
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Standpunkt 2
"Medizinisch und ethisch nicht akzeptabel"
Mehrlingsschwangerschaften sind kein Erfolg, sondern ein Versagen der Reproduktionsmedizin.
Prof. Dr. Peter Husslein, Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, AKH Wien
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Standpunkt 3
"Vorwürfe sind unberechtigt"
Die Vermeidung höhergradiger Mehrlinge ist uns ein großes Anliegen.
Dr. Leonhard Loimer, Vorstand der KinderWunschKliniken Wels und Wien
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Von Mag. Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 13 /2011

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