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Dr. Esther Thaler, Geschäftsführerin der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement (ÖQMed)
 
Gesundheitspolitik 3. März 2009

Die zwei Hüte der Ärztekammer

Interne Form der Qualitätssicherung wird gut angenommen.

Die überwiegende Mehrheit der heimischen Ordinationen genügt den Kriterien der ÖQMed – diese Gesellschaft zur Qualitätssicherung ist eine Tochter der Ärztekammer. Im Vordergrund stehen Belange der Strukturqualität und der Ausstattung.

 

Seit April 2006 wurden mehr als 17.000 Ordinationen von der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement (ÖQMed) evaluiert. In 1.409 davon mussten Mängel beanstandet werden, zumeist die Ausstattung betreffend. Über 950 Praxen brachen den Evaluierungsprozess von sich aus ab. Derzeit befinden sich noch 1.699 neu eröffnete Ordinationen in der Evaluierung.

Der Obmann des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, Dr. Hans-Jörg Schelling, verursachte einen Aufschrei in der Ärzteschaft, als er Änderungen bei der Qualitätskontrolle einforderte. Die Umsetzung der ÖQMed, die eine Tochter der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) ist, verglich er mit der Strategie, „wie wenn die Wirtschaftskammer die Arbeitsinspektoren im eigenen Bereich hätte und entscheidet, ‚wo schicken wir wen hin, was kontrollieren und wen strafen wir?‘“. Ebenso sollte die Aut-idem-Regelung neu diskutiert werden. Eine Woche später trafen sich dann Schelling und Ärztekammerpräsident Dr. Walter Dorner zu einer Aussprache. Man bekannte sich zur Übereinkunft zwischen Hauptverband und ÖÄK aus dem Vorjahr und damit zum „partnerschaftlichen Weg“. Beide betonten außerdem „den absoluten Vorrang von Vertragslösungen vor gesetzlichen Regelungen“. In die bestehende Qualitätssicherung der ÖQMed würden nun der Hauptverband und die Krankenkassen inhaltlich und strukturell eingebunden werden – wobei dies die Umsetzung von entsprechenden Angeboten und Gesprächen des Vorjahres sei.

„Die ÖÄK hat zwei Hüte: die Interessenvertretung der Ärzte und jenen, bei dem es um die Berechtigung für die Ausübung des ärztlichen Berufs geht“, erklärt Dr. Esther Thaler, Geschäftsführerin der ÖQMed. Wer als Allgemeinmediziner oder Facharzt arbeiten will, muss eine Prüfung ablegen, die von der ÖÄK abgenommen wird. Eine wichtige Agenda sei auch die Qualitätssicherung. Dabei werde nicht nur der Status quo erhoben, sondern auch Beratung über die Beseitigung etwaiger Mängel geboten.

Als Auditoren fungieren für die ÖQMed Ärzte mit langjähriger Erfahrung – „angesichts des geringen Lohns für diese Tätigkeit ist dafür einiges an Idealismus aufzubringen“, so Thaler. Zu Beginn bestanden Ängste, wie die Auditoren von der Kollegenschaft aufgenommen würden – „rasch war aber klar: Die Resonanz ist extrem positiv.“ Thaler berichtet, dass Ärzte Mängel meldeten, die jedoch nach genauer Analyse keineswegs als Verstoß gegen die Qualitätsrichtlinien zu werten waren. „Und sie waren offen für das Feedback der Auditoren.“ Nur in wenigen Fällen hätte es Widerstand oder Interventionsversuche à la „Ich kenne einen Präsidenten persönlich“ gegeben – letztlich wurden nur elf Anzeigen beim Disziplinaranwalt eingebracht. Unterm Strich hat sich aus Thalers Sicht der Ansatz der ÖQMed bewährt.

Verpflichtendes Qualitätsmanagement

In Deutschland sind niedergelassene Ärzte seit kurzem zu einem Nachweis eines Qualitätsmanagement-Systems verpflichtet. „In der Evaluation der ÖQMed geht es vor allem um die Strukturqualität etwa in Bezug auf die Ausstattung und die Prozessqualität mit Blick auf die Kundenzufriedenheit (z. B. Beschwerdemanagement)“, weiß Dr. Günther Schreiber, Branchenmanager für das Gesundheitswesen bei der Quality Austria, einem Unternehmen, das in vielen Branchen Zertifizierungen nach verschiedensten Qualitätsstandards, u. a. ISO, durchführt. In Ordinationen gehe es aber auch um Bereiche wie Pflege, Verwaltung, Beziehung zum Patienten usw.

Ähnliche Vorgaben wie in Deutschland könnten durch EU-Richtlinien auch auf Österreich zukommen. „Gerade Kleinunternehmen tun sich schwer, ISO-Konzepte in die kleinteiligen Organisationsformen zu implementieren und dann den hohen Standard zu halten“, sagt Schreiber, „hier sind Überlegungen nötig, welche Form von Zertifizierung Sinn macht.“ Ein Schritt in diese Richtung könnte ein spezielles Qualitäts-Gütezeichen für Ordinationen sein, wie es vor kurzem vorgestellt wurde (siehe Kasten weiter unten). Einige ärztliche Standesvertreter sind mit diesem neuen Gütezeichen allerdings alles andere als glücklich. Die Ärzte Woche berichtet in einer der nächsten Ausgaben über weitere Hintergründe.

Kasten:
Ordinationen mit Gütezeichen
Soeben grünes Licht gab die Österreichische Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Qualität (ÖQA) für ein von Quality Austria entwickeltes Gütezeichen für Ordinationen. In die Entwicklung waren neben Ärzten auch Wirtschaftskammer und Sozialversicherungen einbezogen. Laut Quality Austria soll es eine genau auf die Realität von niedergelassenen Ärzten abgestimmte Form des Qualitätsmanagements bieten.
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Dr. Esther Thaler Geschäftsführerin der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement (ÖQMed

Foto: Pressestelle des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger

Dr. Hans-Jörg Schelling, Obmann des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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