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Gesundheitspolitik 2. März 2011

MedUnis: „Es sieht nicht gut aus …“ - was meinen Sie?



Die Medizinischen Universitäten in Österreich am Scheideweg. Während bei der am Abgrund gestandenen Weltwirtschaft das Schlimmste überstanden zu sein scheint, wird allmählich bewusst, dass der Kollaps unseres ökonomischen Systems nur um den Preis einer historischen Staatsverschuldung vermieden wurde.

Die derzeitigen Medizinischen Universitäten in Österreich sind seit Anfang der 2000er Jahre, als sie in die Autonomie entlassen wurden, und spätestens als sie sich von der Gesamt-Universität lösten, mit einer Fülle von Anforderungen konfrontiert; sie haben zum Unterschied zur Weltwirtschaft das Schlimmste noch lange nicht überstanden.

MedizinstudentenInnen

Fachhochschulen haben Zugangsregeln und Studienplatzfinanzierung – die Medizinischen Universitäten nicht! Ist dies sinnvoll?

Die Budgetsicherheit der Medizinischen Universitäten ist nur noch 2 Jahre lang gesichert; ab 2013 wird im Rahmen des Sparkurses der Regierung mit Budgetkürzungen zu rechnen sein, bestenfalls werden die Mittel eingefroren. Den meisten Medizinischen Universitäten in Österreich droht bei steigenden Kosten ein realer Verlust von bis zu 20 % des Budgets, ganz zu schweigen davon, ob es auch zum Stopp angelaufener Bauvorhaben kommen wird!

Anmeldegebühren

Die erstmals ventilierte Anmeldegebühr in der Höhe von € 90,– für die Medizin-Aufnahmeverfahren ist keine Schikane, sondern soll ein Auseinanderklaffen der Zahl der angemeldeten und der tatsächlichen Testteilnehmer verhindern; im Vorjahr hatten sich rund 10.000 Kandidaten für die Aufnahmetests angemeldet, von denen aber nur 7.300 erschienen sind.

Die Hochschülerschaft will die Anmeldegebühr für die Medizin-Aufnahmetests zu Fall bringen. Falls nötig, werde man bis zum Verfassungsgerichtshof gehen. Jeder Teilnehmer einer Fahrschule muss für die Führerscheinprüfung eine Gebühr entrichten.

Generation "senibel"

Die derzeitigen medizinischen Universitäten in Österreich sind konfrontiert mit einer Studentengeneration, die Anforderungen zu bewältigen hat, wie sie österreichische Medizinstudenten seit Jahrzehnten nicht mehr kannten: Studienbedingungen haben sich nicht verbessert, der Arbeitsmarkt nach dem Studium ist enorm unattraktiv; selbst begabteste Studenten mit Bestnoten bekommen in vielen Disziplinen auch nach Jahren nur befristete Arbeitsverträge. Eine solche Generation wird sensibel für das, was im Lande geschieht, und wägt genau ab, wofür sie sich engagiert. Derzeit wird Universitätspolitik nicht Ideen-basiert gestaltet, sondern verwaltet!

Politiker der heutigen Generation verstehen sich zunehmend als Manager und denken in ähnlichen Kategorien: Was zählt, ist das kurzfristige Ergebnis, die Quartalsbilanz.

Mediziner – Karrieren

Jungärzte beider Richtungen – akademisch orientiert oder praxisbezogen – vermissen zielgerichtete Karrierewege mit klaren attraktiven Perspektiven. Disqualifizierendes und inadäquates Grundgehalt während der Ausbildungszeit, gepaart mit unzureichenden Infrastrukturen verglichen mit anderen EU-Ländern, haben den männlichen Anteil an Medizinstudenten deutlich reduziert und in Deutschland einen Ärztemangel kreiert.

Kürzlich warnte die Österreichische Ärztekammer vor einem „Landärzte-Sterben“. Die Zahl der Bewerbungen von Landarztpraxen nimmt deutlich ab. Mediziner müssten mit Förderungen und weniger Bürokratie gelockt werden.

Der Beruf des Landarztes wird immer weniger attraktiv, Ärztekammer, Gesundheits- und Wissenschaftsministerium warnen: Schon bald könnten 100erte Ärzte im Land fehlen – vor allem weil das Ausland Jungmediziner mit attraktiven Ausbildungsstellen und höheren Gehältern abwirbt (ähnlich in der Schweiz). Mit dem Wissenschafts- und Gesundheitsministerium arbeitet die Österr. Ärztekammer an einer Bedarfsstudie, diese soll die Basis für politische Maßnahmen bilden. ÖVP-Wissenschaftsministerin Beatrix Karl will mit einem kürzeren Turnus gegensteuern, SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger lehnt ab.

Ist eine Wende in Sicht?

Am 4.2.2011 erfolgte der Startschuss. Es soll ein „Hochschulplan“ erarbeitet werden, wie können die Hochschulen effizienter arbeiten und besser kooperieren, was soll wo und wie angeboten werden?

Ein Bestandteil dieses Masterplanes soll auch die Umstellung auf eine Studienplatzfinanzierung sein, inklusive Beschränkung der Studienplätze. Bis Juli werden 3 Experten aus Deutschland und der Schweiz Empfehlungen abgeben, Potentiale zur Effizienzsteigerung sollen aufgezeigt werden, auch potentielle Schließungen werden überlegt. All dies steht im klaren Widerspruch zu den Anstrengungen in Linz, Krems oder St. Pölten, neue Medizinische Universitäten zu errichten! Manche Rektoren sehen die Zukunft der Medizinischen Landschaft in Österreich in Gefahr. Die Finanznot der Medizinischen Universität schreckt in Hinkunft Spitzenleute ab, und Professorenberufungen werden immer schwieriger.

Was meinen Sie?

Ist es nicht ein Frevel der österreichischen Hochschulpolitik, dass hervorragend forschende Mediziner schlussendlich als klinische Chefärzte enden und ihre eigentlich erfolgreiche Forschung an den Nagel hängen?

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Zur Person
o. Univ.-Prof. Dr. Otmar Pachinger
Universitätsklinik für Innere Medizin III
Kardiologie
Medizinische Universität Innsbruck
Anichstraße 35
6020 Innsbruck
Fax: ++43/512/504-22767
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