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Foto: Privat
Dr. Claudia Wild, Leiterin des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Health Technology Assessment
 
Gesundheitspolitik 18. Februar 2009

Zwischen Vorsorge und Früherkennung differenzieren.

Wenn es generell um die Frage von Massenscreenings geht, ist zunächst zu klären, welche Größenordnung ein Gesundheitsproblem hat und ob die nötige Technologie für präzise Diagnosen zur Verfügung steht, ob Früherkennung zu einer Linderung des Leids führt und ob entsprechende qualitätssichernde Rahmenbedingungen bestehen. Gerade auch bei Aufrufen zum Mammografie-Screening wird viel mit Angst gearbeitet und mit Zahlen, die sehr verwirrend für einzelne Frauen sind. Beispielsweise mit der Angabe, dass jede neunte Frau an Brustkrebs erkrankt und mit Mammografie eine Reduktion der Todesfälle durch Brustkrebs möglich ist.

Es gibt Beispiele für sinnvolle Screeningmethoden, wie etwa der Cervix-Abstrich zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Oder den PKU-Test bei Babys. Zu hinterfragen ist allerdings das „Tandem-Screening“, bei dem einige Tropfen Blut auf eine große Bandbreite von Krankheiten abgecheckt werden: Denn einerseits sind die Ergebnisse nicht immer eindeutig und in vielen Fällen gibt es keine therapeutischen Maßnahmen für spezifische Risikofaktoren.

Es müsste jedenfalls sehr klar zwischen Vorsorge und Früherkennung differenziert werden. Ein Massen-Mammografiescreening hat nichts mit Vorsorge zu tun, hier würde es um Maßnahmen des Lebensstils gehen. Bei der Mammografie sind Kosten und Nutzen abzuwägen: Die individuellen Risiken für unnötige Folgeuntersuchungen bei nicht qualitätsgesichertem Screening sind groß, die gesellschaftlichen Kosten auch. Es gibt viele Studien, die auf den Zusammenhang zwischen einer langen Stilldauer und der Senkung des Brustkrebsrisikos hinweisen. Ebenso geht es um zentrale Felder wie Bewegung und Ernährung, die sich auch auf andere Gesundheitsbereiche auswirken. Es ist keine Frage, dass bei einer entsprechenden Vorgeschichte und bei Verdachtsmomenten eine Mammografie sinnvoll ist. Aber einfach undifferenziert allen Frauen zu diesem Screening zu raten, ist der falsche Weg und hinausgeschmissenes Geld, das woanders fehlt.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
Brustkrebs-Massenscreening

 

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Dr. Claudia Wild Leiterin des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Health Technology Assessment

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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