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Sollte jede Frau jährlich zur Mammografie gehen? Eines ist gewiss: Der Nutzen des Massenscreenings muss etwaigen Schaden (falschpositive Ergebnisse) überwiegen.
 
Gesundheitspolitik 18. Februar 2009

Brustkrebs-Massenscreening

Die Effekte von Mammografie-Reihenuntersuchungen für alle Frauen sind umstritten.

Wie viele Frauen können tatsächlich von einem Mammografiescreening profitieren? Und rechtfertigen die Ergebnisse den hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand?

Zwei Jahre lang erhielten alle Frauen zwischen 50 und 69 in drei Wiener Bezirken persönliche Einladungsschreiben zu einem Mammografiescreening. Die Rate der Frauen, die diese in Anspruch nahmen, konnte so um ein Fünftel gesteigert werden. Ex-Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky hatte auch in anderen Regionen ähnliche Pilotprojekte initiiert. Das Fernziel: ein österreichweites Massenscreening mit hohen Qualitätsstandards. Auf diese Pläne angesprochen, meint ihr Nachfolger Alois Stöger, es seien noch zu viele Fragen über den Nutzen offen, auch wenn mit dem Wiener Projekt u. a. Gruppen wie etwa Frauen mit Migrationshintergrund angesprochen werden konnten.

In Deutschland wird teils recht heftig über Sinn und Unsinn des Brustkrebs-Screenings diskutiert. Dieses würde etwa eine an das jeweils persönliche Risiko der Frauen angepasste Früherkennung inklusive individueller ärztlicher Beratung torpedieren, aber auch Maßnahmen wie hochauflösenden Ultraschall und MRT bei Bedarf. Außerdem sollten auch Frauen unter 50 bzw. über 70 Jahren erfasst werden und Mammografien bei symptomlosen Frauen auch in nicht spezialisierten Zentren möglich sein.

Kritiker verweisen auf Analysen, dass durch die Früherkennungs-Mammografie überwiegend Formen von Brustkrebs erkannt werden, die oft keinen schlechteren Krankheitsverlauf gehabt hätten, wären sie später erkannt worden. Gleichzeitig würden bösartige Tumoren oft zu spät erkannt. In der öffentlichen Diskussion wird zudem gerne mit sehr unterschiedlichen Zahlen jongliert, die oft die Relation zwischen Aufwand und möglichem Nutzen nur mehr für spezialisierte Experten erkennbar machen.

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

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Sollte jede Frau jährlich zur Mammografie gehen? Eines ist gewiss: Der Nutzen des Massenscreenings muss etwaigen Schaden (falschpositive Ergebnisse) überwiegen. Ist das auch der Fall? Obwohl auch Prominente für die Brustkrebs-Vorsorge werben, ist diese Frage noch nicht ausdiskutiert.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche

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