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Foto: R. B. / pixelio.de
 
Gesundheitspolitik 5. Jänner 2011

Wünsche für 2011

Welche Innovationen sich die Präsidenten der österreichischen Fachgesellschaften für ihr Fachgebiet im neuen Jahr wünschen.

Mut der Entscheidungsträger zur Bewegung

Am wichtigsten erscheint die Reform der Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin. Der Beruf muss attraktiver werden, um einen Mangel an Hausärzten wie derzeit in Deutschland zu vermeiden. Die Ausbildung mit dem Berufswunsch „Hausarzt“ darf nicht mit einer Unzahl von Nachteilen gegenüber fachärztlichen Karrierewegen gepflastert bleiben. Die Finanzierung der 12-monatigen Lehrpraxis ist der Angelpunkt. Gute Modelle, die keine politische Institution überlasten, stehen zur Umsetzung bereit. Wir wünschen uns den Mut der Entscheidungsträger zur Bewegung.  

Dr. Reinhold Glehr Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin
 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Wir brauchen in der Forschung die Unterstützung in der Stammzellforschung, den Einsatz pluripotenter Stammzellen sowie die Entwicklung der Gentherapie bei genetisch bedingten unheilbaren Erkrankungen wie der Epidermolysis bullosa (Schmetterlingskinder). Klinisch wäre mehr Interdisziplinarität, also Zusammenarbeit auf Augenhöhe, ohne ungerechtfertigte Hegemonialansprüche zum Wohle der Patienten wünschenswert. Außerdem Betreuungsprogramme für Patienten mit chronischen Hauterkrankungen wie Psoriasis, unter dem Titel: „Ärzte und Patienten als Partner“.

Prim. Prof. Dr. Volc-Platzer Past-Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie
 

Chronische Schmerzenpatienten ins Berufsleben reintegrieren

Als wichtige medizinische Änderung sehe ich die Aufnahme innovativer Schmerzmedikamente in den Erstattungskodex an. Das wurde 2010 für 5 wichtige und nachweislich effektive Medikamente versäumt. Als wünschenswerte Innovationen betrachte ich die Umsetzung der im Strukturpapier zur Therapie des chronischen Schmerzes erarbeiteten Ziele, welche es erlauben würden, eine Therapie- und Diagnosedurchgängigkeit für Patienten mit chronischen Schmerzzuständen zu erarbeiten, um einige wieder ins Berufsleben zu reintegrieren, wenigstens aber deren Lebensqualität zu verbessern.

Prim. Prof. Dr. Wilfried Ilias Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft
 
 

Eine frühe gut evaluierbare sozialpädiatrische Untersuchung

Die für mich großen Herausforderungen liegen im sozialpädiatrischen Bereich, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Es geht darum, Entwicklungsverzögerungen früh zu erkennen und zu behandeln. Denn je früher die Therapie erfolgt, desto besser sind die Langzeitergebnisse. Wir wünschen uns daher eine gut evaluierbare Untersuchung, bereits im Kindergarten, zumindest aber vor Schuleintritt. Wird nicht rechtzeitig behandelt, sind die Erfolgschancen deutlich geringer. Folgekrankheiten und entsprechend hohe Kosten kommen dann zum Tragen.
Prim. Prof. Dr. Klaus Schmitt Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
 
 

Finanzierung von Diabetes-Camps für Kinder

Ich wünsche mir, dass die zunehmende Diabeteshäufigkeit durch gezielte Vorsorgeuntersuchungen der Risikogruppen reduziert wird, und weiters einen Durchbruch im nichtinvasiven Glukosemonitoring. Für Österreich wäre die Installation eines Diabetesregisters und die flächendeckende Umsetzung des DMP Typ 2 Diabetes „Therapie aktiv“ zu erwähnen. Außerdem wünsche ich mir die Verbesserung der Strukturen für die Betreuung von diabetischen Kindern und Jugendlichen, zum Beispiel die Finanzierung von Diabetes-Camps.

Prim. Doz. Dr. Raimund Weitgasser Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft
 
 

Neue Implantate, Operationen und größere Präzision

Potenziell erwarten wir neue Therapien für die AMD (konservativ und chirurgisch, wie etwa die lokale Strahlentherapie), die Einführung der Operation des „grünen Stars“ mit verschiedensten neuen Implantaten, welche weniger belastend sind und zusätzlich die für alte Menschen oft belastende Tropfentherapie ersetzen können. Weiters rechnen wir mit den ersten Versuchen der Operation des „grauen Stars“ mit dem Femtosekunden-Laser, wobei eine größere Präzision bei der Implantation von Speziallinsen zur Korrektur des Astigmatismus und der Presbyopie zu erwarten ist.

Prim. Prof. Dr. Günther Grabner Präsident der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft
 

Mehr Übersicht statt Informationsüberflutung

Die Entwicklung zuverlässigerer Biomarker zur frühzeitigen Erkennung von Organdysfunktionen wäre eine wichtige Innovation. Außerdem würde ich mir klinisch einsetzbare Monitoringtechnologien für die online-Überwachung wichtiger metabolischer Parameter und der Mikrozirkulation wünschen. Zudem verbesserte präventive Strategien zur Verhinderung von Organversagen, neue Pharmakotherapien bei SIRS/Sepsis und bei kardialem Pumpversagen. Mein Wunsch: dass Medizintechnik und Informationstechnik Übersicht statt Informationsüberflutung bringen.

Prof. Dr. Andreas Valentin, MBA Wissenschaftlicher Sekretär der Österreichischen Gesellschaft für Internistische und Allgemeine Intensivmedizin
 

Maßgeschneiderte Therapien für urologische Erkrankungen

Für die Zukunft sehe ich in unserem Fachgebiet zwei Schwerpunkte: Die demografische Entwicklung unterstreicht, dass im Jahr 2030 in Österreich etwa 1,7 Millionen Menschen mit Harninkontinenz und 1,3 Millionen mit überaktiver Blase leben werden. Dies wird eine besondere Herausforderung für unsere Fachgesellschaft sein. Darüber hinaus wird es in den nächsten Jahren auf der Basis eines besseren Verständnisses der Pathogenese immer mehr in Richtung maßgeschneiderter Therapie für viele urologische Erkrankungen, insbesondere Tumorerkrankungen, gehen.

Prim. Dr. Klaus Jeschke Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie

Von Andrea Niemann, Ärzte Woche 1 /2011

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