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Gesundheitspolitik 13. Dezember 2010

MedUni-Rektoren warnen

Die drohende Unterfinanzierung der Medizinischen Universitäten war am 13. Dezember Thema eines gemeinsamen Pressegesprächs der Rektoren der Med-Unis Innsbruck, Graz und Wien. Sie warnten unter anderem vor einem drohenden Fachärztemangel und damit verbundenen drastischen Einschnitten bei der Patientenversorgung.

"Die Regierung zerspart die Zukunft Österreichs."  

Lochs

Prof. Dr. Herbert Lochs, Rektor Medizinische Universität Innsbruck zu den Einsparungen

In der Medizin, die ein wirtschaftlich besonders wichtiger Wissenschaftszweig ist, kommen dramatische Konsequenzen des "Sparbudgets" auf uns zu: Mit den Budgeteinschnitten befürchten wir, dass die Qualität in allen essentiellen Bereichen leiden wird.

• Dem Bereich der Forschung werden die Mittel fehlen, um neue Therapien und Arzneimittel im Kampf gegen Krankheiten zu entwickeln, es werden sogar wahrscheinlich Forschungseinrichtungen geschlossen werden müssen.
• Die österreichischen Medizinischen Universitäten werden ihre Attraktivität als Partner für die Wirtschaft verlieren. Gemeinsam entwickelte Zentren sind gefährdet.
• In der Lehre und Ausbildung werden wir mit den uns jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln die Qualität nicht halten und erst recht nicht steigern können. Studenten werden weniger praxisorientiert ausgebildet werden.
• Die Medizinischen Universitäten tragen die Hauptverantwortung für die Ausbildung von FachärztInnen. Da die Zahl der Ärztestellen an den Universitäten reduziert werden muss, werden wir in Zukunft womöglich zu wenige Fachärzte in allen Gebieten haben. Die Medizinische Versorgung des Landes wird in wenigen Jahren ernsthaft gefährdet sein. • In der PatientInnenversorgung müssen wir aufgrund der schlechteren Ausbildungsbedingungen unserer FachärztInnen mit drastischen Einschnitten rechnen. Ein Szenario wäre, dass gewisse Facharztausbildungen nur noch von einer der drei Universitätskliniken angeboten werden können.

Daneben verliert der Forschungsstandort Österreich an Attraktivität und internationaler Reputation. 2012 wird die Leistungsvereinbarungsperiode enden, bis zur Fixierung des Bundesfinanzrahmengesetzes im April 2011 muss es also Klarheit über jene Mittel geben, die uns ab 2013 zur Verfügung stehen werden.

Österreichs Universitäten fehlen rund 600 Millionen Euro, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Wir wollen jetzt bereits auf die drohenden Folgen aufmerksam machen, die eine solche de facto Kürzung der Wissenschaftsbudgets im Bereich Medizin verursachen wird. Wir alle, Sie alle werden die Folgen sehr bald spüren. Kann die Bundesregierung das wirklich verantworten?

"Das Niveau kann nur durch finanzielle Bedeckung gehalten werden." 

Smolle

Prof. Dr. Josef Smolle, Rektor Medizinische Universität Graz zu Lehre und Studium

Die Medizinischen Universitäten Österreichs haben in den letzten 10 Jahren große Anstrengungen unternommen, ihre Studiengänge den aktuellen Herausforderungen anzupassen. Statt der früher weitgehend theoretisch und rein naturwissenschaftlich orientierten Ausbildung bieten nun die Curricula frühen und intensiven Patientenbezug und vermitteln bereits im Grundstudium vielfältige Praxiserfahrung als Grundlage für die spätere ärztliche Tätigkeit.

Insbesondere sind fächerübergreifendes Lernen und Lehren, Training ärztlicher Fertigkeiten, ethische Aspekte und Arzt-Patient-Kommunikation als neue Schwerpunkte zu nennen. Diese Fortschritte gehen mit vermehrtem Kleingruppenunterricht in Form interaktiver Seminare und praktischer Übungen einher, die einen hohen Betreuungsaufwand erfordern. Unsere Kolleginnen und Kollegen tragen diese intensive Ausbildung mit hohem Engagement zusätzlich zu den stetig steigenden Forschungsleistungen und der tragenden Rolle in der Gesundheitsversorgung und in der Spitzenmedizin.

Dieses Niveau kann nur bei entsprechender finanzieller Bedeckung gehalten und weiterentwickelt werden. Die zusätzlichen Gelder, die die Bundesregierung für die Universitäten beschlossen hat, sind ein erster, kleiner Schritt in die richtige Richtung. Es wird notwendig sein, einen entsprechenden Anteil davon den Medizinischen Universitäten zukommen zu lassen. Zugleich appellieren wir an die Länder als Verantwortliche für die Krankenanstalten, die Gesundheitsversorgung ausreichend zu dotieren, sodass die Universitätsbudgets gesetzeskonform der Lehre und Forschung zugutekommen können.

"Zugangsbeschränkungen lösen die Uni-Misere nicht!"

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Prof. Dr. Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinischen Universität Wien zu Personalabbau und Patientenversorgung

Das Personalbudget macht an Medizinischen Universitäten mehr als 80% der öffentlichen Mittel aus und ist massiv durch Valorisierungen und Biennalsprünge belastet. Eine Gehaltssteigerung um 2 Prozent wäre an der MedUni Wien mit einem jährlichen Mehrbedarf von  6 Millionen Euro verbunden, rechnet man die Biennalsprünge für die Beamten sowie die allgemeine Teuerung bei Mieten, Sachausgaben und Investitionen (nur für Ersatzanschaffungen) hinzu, werden der MedUni Wien für 2013 allein zum Fortbestand des Status quo und auf heutiger Preisbasis 10 Millionen Euro fehlen.

Bis zum 1.1.2013 müssen also zumindest 180 Personalstellen abgebaut sein, um danach den Status quo zu finanzieren; für 2014 und 2015 müsste sich derselbe Vorgang wiederholen. Der Personalabbau wird sich zuerst und unmittelbar auf die Grundlagenforschung, in der Folge aber auch auf die translationelle Forschung auswirken, bei der Ergebnisse rasch in Therapien umgesetzt werden. Denn die Medizinische Universität stellt in Wien dem AKH das gesamte ärztliche Personal zur Verfügung (in Graz und Innsbruck den jeweiligen Landeskliniken immerhin 50 Prozent).

Bereits heute hat es aber überwiegend Aufgaben der reinen Krankenversorgung zu verrichten, sodass für Forschung und Lehre wenig Zeit bleibt. Die laufende Leistungsvereinbarung bis 2012 hätte hier eine gewisse Erleichterung geschaffen, da der Medi¬zinischen Universität Wien nun erstmals genügend Mittel zur Verfügung stünden, das ärztliche Personal zumindest in einigen kritischen Bereichen zu erhöhen. Diese erfreuliche Entwicklung ist nun innerhalb der nächsten zwei Jahre nicht nur von einem Stopp bedroht, sondern das Personal wird unter den Stand vor 2010 zurückgefahren werden.

Neben der Grundlagen- und der translationellen Forschung wird auch die Patientenversorgung im AKH direkt betroffen sein. Sollte die Stadt Wien hier nicht kompensatorisch einspringen, was ihre Aufgabe ist, könnte die derzeitige Qualität der Versorgung nicht mehr aufrecht erhalten werden. Denn neben der Reduktion an Ärztinnen und Ärzten zur Kernarbeitszeit, wird zur Einhaltung des Krankenanstalten-Ärztearbeitszeitgesetzes die Vorhaltung an ärztlichem Personal in der Nacht und an Wochenenden im derzeitigen Ausmaß nicht mehr möglich sein.

Presse der MedUnis, Red, APA

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