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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
 
Gesundheitspolitik 7. Dezember 2010

Strategien gegen die „Kuvertmedizin“

Die einen bestreiten sie, die anderen behaupten, sie sei in Österreich an der Tagesordnung: die Zwei-Klassen-Medizin, auch „Kuvertmedizin“ genannt

Als gelernter Österreicher weiß man genau, dass mit guten Beziehungen oder „Vitamin B“ so manches einfacher und schneller geht. Ob die Ferialpraxisstelle für die Tochter, die Baubewilligungen für das Gartenhaus oder die Opernkarten für die ausverkaufte Vorstellung, wer mit dem entsprechenden Netzwerk an Kontakten oder aber auch mit einem kleinen Präsent vorstellig wird, kommt oft schneller und reibungsloser ans Ziel als mit leeren Händen. Diese Lebenshaltung hat auch vor der Medizin nicht haltgemacht. Wer ein extra Plus an Gegenleistung bieten kann, der kommt auch in den Genuss einer besseren Leistung. Besonders stößt die Vorgangsweise dort auf, wo es um mehr geht als nur um einen „Gefallen“ – nämlich um die menschliche Gesundheit, vorzugsweise die eigene oder die naher Angehöriger. Wenn die Güte der medizinischen Versorgung von der sozialen Schicht des Patienten abhängt, so spricht die Gesundheitspolitik von einer „Zwei-Klassen-Medizin“. Nur wenige leugnen, dass es diese Form der bevorzugten Behandlung gibt, viele trauen sich dennoch nicht, öffentlich darüber zu sprechen. Denn Fakt ist: Wer die Chance auf eine bessere Behandlung ergreifen kann, der nützt sie, und wer sie nicht hat, ärgert sich darüber. Der Kampf gegen ein korruptes System ist schwer zu gewinnen, denn es lebt immer von zwei Seiten – denen, die Vorteile anbieten, und denen, die sie auch nachfragen.

Dr. Günther Loewit  LAbg. Dr. Helga Krismer   Dr. Franz Piribauer, MPH

Standpunkt 1
"Zwei Klassen – eine Situation wie im Flugverkehr"
Wer ohnmächtig auf der Straße liegt, wird in Österreich nicht liegen gelassen werden.
Dr. Günther Loewit Arzt und Buchautor
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Standpunkt 2
"Es gibt Gleiche und Gleichere: ein Fehler im System"
Eine gemeinsame GEsundheitskasse kann schon viel von der herrschenden Intrasparenz nehmen.
LAbg. Dr. Helga Krismer Gesundheitsombudsfrau, Initiatorin der Plattform http://www.keine2klassenmedizin.at/
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Standpunkt 3
"Transparenzmängel sind Einfallstore zur Korruption"
Korruption ist ein systemisches Problem und betrifft weit mehr als nur ein paar schwarze Schafe.
Dr. Franz Piribauer, MPH Sprecher der Arbeitsgruppe Gesundheitswesen der Antikorruptionsstelle Transparency International
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Von Mag. Renate Haiden, Ärzte Woche 49 /2010

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