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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2010

Zukunft verpasst?

„Warum handeln Akteure und Politik nicht entsprechend?“, fragten sich die heimischen Diabetes-Spezialisten bei ihrer Jahrestagung.

Die Analysen zu Prävention und Betreuung des Diabetes sind seit Jahren gleichlautend: mangelnde Betreuung, unzureichende Schulungsmaßnahmen, mehr Erkrankungen und steigende Kosten. Die Diabetesexperten nutzten die Plenar-Diskussion der 38. ÖDG- Jahrestagung vom 18. bis 20. November in Salzburg (die Ärzte Woche wird über den Kongress in der kommenden Ausgabe ausführlich berichten), um erneut zentrale Forderungen zu artikulieren.

Die Notwendigkeit der Prävention in allen Stadien des Diabetes ist längst erkannt. Trotz großer Bemühungen um möglichst frühe Diagnose, um Förderung der Public Awareness und die Entwicklung eines Disease Management Programms (DMP) zur Vermeidung der Spätfolgen und Folgeerkrankungen werden derzeit nur 21.623 Diabetespatienten von 927 Ärzten im Rahmen des DMP betreut. Das sei eine völlig unzureichende Betreuungsdichte angesichts 600.000 Patienten mit Diabetes, so die Diabetesärzte. 20 Prozent haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits eine diabetische Folgeerkrankung.

Die Forderungen der Experten sind seit Jahren bekannt: Etwa die Umsetzung des bereits 2005 beschlossenen Diabetesplans sowie der Maßnahmen, die auf der EU-Diabetes-Konferenz 2006 erarbeitet wurden.

Die wesentlichsten Forderungen und Ideen sind:

  • Die flächendeckende und möglichst rasche Umsetzung des DMP mit Implementierung eines bundesweit kompatiblen EDV-Systems und zentraler österreichweiter Planung.
  • Keine Diskriminierung und Stigmatisierung adipöser Personen.
  • Weg von Diskriminierungsmodellen, hin zu begleitenden Betreuungsmodellen.
  • Evidenzbasiertes Vorgehen in allen Bereichen der Adipositas: Betreuung, Therapie, Prävention und Bevölkerungsstrategien.
  • Sozialversicherungen müssen innovative Medikamente freigeben.
  • Eine akzeptable Blutzuckereinstellung ist nicht nur ein gesellschaftliches, sondern auch ein ethisches Gebot.
  • Berücksichtigung von gesunder Bewegung in der Städteplanung. Gefordert ist eine „aktivierende Architektur“, die zur Bewegung animiert.
  • Mehr Augenmerk für die Diabetes- Prävention, beginnend in Kindergärten und Schulen.

 

Martschin&Partner/IS, Ärzte Woche 48 /2010

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