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Gesundheitspolitik 5. Februar 2009

Fortschritt kostet Geld

Experten sind sich einig: Die Gesundheitsversorgung wird künftig eher teurer als billiger. Deshalb müsse man Kostendämpfungen auch im Arzneimittelbereich prüfen.

„Arzneimittel im Spannungsfeld zwischen Kostenbewusstsein und Versorgungsqualität“ – unter diesem Titel diskutierten Vertreter des Pharmakonzerns Bayer und der Industriellenvereinigung über aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen. Das Fazit: Fortschritt gibt es nicht zum Nulltarif.

 

Ein „Ja“ zum Fortschritt erfordere einen engen Dialog zwischen allen Akteuren des Gesundheitswesens, um eine hohe Versorgungsqualität zu vernünftigen Kosten sicher stellen zu können. Davor müsse allerdings eine Grundsatzfrage geklärt werden: Wie ist die Gesellschaft bereit, Gesundheitsleistungen zu finanzieren?

Die außerdem erörterten Fragen der Diskussion: Welche Rolle spielen Arzneimittel in der Gesundheitsversorgung? Wie haben sich medikamentöse Therapien, z. B. in der Onkologie, in den vergangenen Jahren weiterentwickelt? Welche Auswirkungen sind damit verbunden, insbesondere was die Versorgungsqualität, aber auch die Kostensituation betrifft? Gibt es auch Auswirkungen struktureller Art, etwa Leistungsverschiebungen zwischen Spitals- und niedergelassenem Bereich?

Dr. Christian Dittrich, Abteilungsvorstand des Bereichs Onkologie und Hämatologie im Wiener Kaiser Franz Josef-Spital, zeigte sich überzeugt, dass „die in der Onkologie in den vergangenen Jahren gesteigerten Überlebensraten mit der Verfügbarkeit neuer Medikamente einhergehen.“ Genau das führe aber auch zu höheren Kosten im Gesundheitswesen. Denn: „Wo Medikamente zur Heilung des Patienten führen, sparen wir uns Kosten. Wenn aber die Krankheit chronisch wird und wir dadurch das Leben verlängern können, dann wird es teuer, so Dittrich. Und die Medizin versuche, wenn sie schon nicht heilen könne, so doch eben zumindest eine tödliche Krankheit zu einer chronischen zu machen.

Faire Preise für innovative Medikamente

Alois Stöger, der ehemalige Obmann der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse und jetzige Gesundheitsminister, bremste die Euphorie des Mediziners: „Der Auftrag der Krankenkassen ist es, mit dem Beitragsgeld die bestmögliche Gesundheitsversorgung zu organisieren. Patienten sollen die wirksamste zur Verfügung stehende Medizin bekommen, dafür soll ein fairer Preis gezahlt werden.“ Im Medikamentenbereich hätte man aber das Problem, dass das meiste „Neue“ auf dem Markt nur teurer, aber nicht unbedingt wirksamer sei als das bisher Bekannte. „Echte Innovationen sind nötig.“

Auch der Tiroler Gesundheits- und Wissenschaftslandesrat DI Dr. Bernhard Tilg und Dr. Günther Wawrowsky, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Obmann der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte, warnten vor den finanziellen Belastungen des Systems durch den medizinischen Fortschritt. Hier müsse man Kooperationen zwischen allen Akteuren, aber auch zwischen dem niedergelassenen und stationären Bereich finden, um die Zuwachsraten bei den Kosten und Mengen einzudämmen und gleichzeitig den Menschen die beste Versorgung anbieten zu können. Wie diese Kooperationen aussehen könnten, das blieb neben der Frage der Finanzierung aus einer Hand allerdings auch in dieser Diskussion eher vage.

Von Martin Rümmele, Ärzte Woche

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