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Foto: Privat
Dr. Friedrich Hartl, Bundessprecher der Fachärzte für Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation der Österreichischen Ärztekammer
 
Gesundheitspolitik 5. Februar 2009

Der Begriff „Heilmasseur“ ist unglücklich gewählt.

Ich war in die Gesetzwerdung des Heilmasseurgesetzes und dessen Novellierungen eingebunden und habe dazu Gutachten geliefert. Medizinische Masseure und Heilmasseure können auch Spezialqualifikationen zu Elektro-, Hydro- und Balneotherapie erwerben.

Bei einer Überarbeitung des Gesetzes sollten diese Teile in die Grundausbildung aufgenommen werden. Die für die Krankenbehandlung nicht so wesentlichen Bereiche des Berufsfelds wären nach meiner Meinung in Spezialmodule auszulagern, die berufsbegleitend angeboten werden können. Dabei geht es natürlich auch um die Dauer und Leistbarkeit der Ausbildung.

Der Begriff „Heilmasseur“ führt bei Patienten und auch Ärzten immer wieder zu Verwirrung und Verwechslungen mit den gewerblichen Masseuren. Ein Tipp für Ärzte: Wer einen Masseur anstellt, sollte prüfen, welche Qualifikationen und damit verbundenen Befugnisse in der Krankenbehandlung jemand wirklich hat. Im Zweifelsfall gibt das vorgelegte Zeugnis Auskunft, ob es sich um einen gewerblichen Masseur oder um einen medizinischen Masseur/Heilmasseur handelt.

Eine Anstellung von Heilmasseuren durch Heilmasseure ist aus meiner Sicht keine Option. Denn diese agieren ja auf der Grundlage einer Anordnung durch den Arzt. Wird die im Einzelfall an einen Angehörigen eines Gesundheitsberufs delegierte ärztliche Tätigkeit an einen im nichtärztlichen Gesundheitsberuf Tätigen weitergegeben, wird so die Kette der Verantwortlichkeit durchbrochen, es kommt zu einer Inkongruenz von Aufsicht und Anordnung aus sanitäts- und arbeitsrechtlicher Sicht.

Aus dem Gesetz herausgenommen werden sollte daher auch das „tote Recht“, das Physiotherapeuten die medizinische Aufsicht über medizinische Masseure einräumt. Das erfolgt in der Praxis aus Sicherheits- und Haftungsgründen ohnehin nur in seltenen Fällen.

Die Frage der Selbstorganisation der freiberuflich tätigen Heilmasseure ist eigentlich durch das Höchstgericht geklärt: Aufsichtsbehörde ist und bleibt die Gesundheitsverwaltung, es sind aber überraschenderweise Mitgliedsbeiträge an die Wirtschaftskammer zu leisten. Wobei auch hier das Ergebnis der Evaluierung des Gesetzes Veränderungen bringen könnte.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
Alle Masseure, oder was?

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Dr. Friedrich Hartl Bundessprecher der Fachärzte für Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation der Österreichischen Ärztekammer

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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