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Foto: BBRZ
Das medizinisch-therapeutische Team der Klinik Leopoldau setzt sich aus Ärzten, Psychotherapeuten, Psychologen, Ergotherapeuten, Sozialarbeitern, Krankenpflegern, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern und Diätassistenten zusammen, dazu kommen Verwaltun
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Gesundheitspolitik 9. November 2010

Ambulante Reha im Trend

Anfang Oktober eröffnete das „Zentrum für seelische Gesundheit Leopoldau“. Damit ist es erstmals auch in Österreich möglich, Menschen mit psychischen Erkrankungen zu rehabilitieren, ohne sie aus ihrer familiären

Umgebung zu reißen. Ziel: Erleichterung ihrer Re-Integration in Alltag und Berufsleben.

„Psychische Störungen sind auf dem Vormarsch, die Behandlungen in Krankenhäusern massiv gestiegen“, schlägt der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, Dr. Harald Mayer, Alarm. Besonders eklatant sei die Zunahme bei Berufstätigen: „Wir können davon ausgehen, dass beruflicher und privater Stress psychische Probleme mit verursachen. Der Leistungsdruck, dem die Menschen heute ausgesetzt sind, erstreckt sich auf nahezu alle Lebensbereiche.“

 

Psychiatrische Versorgung findet bis heute überwiegend stationär statt, weil laut Mayer „das ambulante Angebot viel zu gering ist“. Einen wichtigen Schritt zur Erweiterung des Angebots setzte nun das Berufliche Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ) mit der Eröffnung des Zentrums für seelische Gesundheit Leopoldau. Es handelt sich dabei um die erste ambulante Einrichtung für die medizinische Rehabilitation von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Österreich überhaupt und stellt ein Angebot für jene dar, die lange stationäre Aufenthalte aus familiären, organisatorischen oder zeitlichen Gründen bisher nicht bewerkstelligen konnten. Das trifft in besonderem Maße auf Frauen zu.

Ambulante Reha-Klinik

Die Therapie umfasst einen Zeitraum von jeweils sechs Wochen. Nach dem täglichen Programm kehren die Patienten in ihre gewohnte Umgebung zurück, werden also nicht aus ihrer häuslich-familiären Situation herausgerissen. Sie können zudem das in der Therapie Erlernte unmittelbar im Alltagsleben umsetzen, etwa Bewältigungsstrategien bei Angst vor öffentlichen Verkehrsmitteln.

BBRZ MED GmbH Geschäftsführer Mag. Roman Pöschl erläutert Konzept und Aufgabe des Ambulatoriums: „Das Zentrum versteht sich als Bindeglied zwischen psychiatrischer Akutversorgung und beruflicher Rehabilitation. Unsere Ziele sind die nachhaltige Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes und der beruflichen und sozialen Teilhabe unserer Rehabilitanden. Damit werden wir eine beträchtliche Anzahl von drohenden Frühpensionierungen mit ihren ganz individuellen, sozialpolitischen und volkswirtschaftlichen Folgeerscheinungen verhindern können.“

Biopsychosozialer Ansatz

Diagnostische Schwerpunkte sind vorwiegend chronische Verlaufsformen von psychischen Erkrankungen, von Depressionen und Angststörungen über Anpassungsstörungen, Zwangsstörungen, somatoforme Störungen bis hin zu Schizophrenie. Das Rehabilitationskonzept beinhaltet ein breit gefächertes Angebot im Sinne eines biopsychosozialen Ansatzes zur Behebung von Krankheitssymptomen, Bedingungsfaktoren sowie häufigen Krankheitsfolgen wie Funktionsausfällen, Beeinträchtigungen im Alltag, im Beruf, in der Familie und in anderen sozialen Beziehungen.

Das Therapieangebot umfasst Gruppen- und Einzelpsychotherapie, psychologische Behandlung, Psychoedukation und Informationsvermittlung, medikamentöse Therapie, Ergo- und Kreativtherapie, Physio-, Sport- und Bewegungstherapie, Biofeedback und Entspannungsmethoden. Projektpartner ist die Pensionsversicherungsanstalt (PV). Immerhin gehen mittlerweile 34 Prozent aller Anträge auf Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspensionen auf psychische Krankheiten zurück – Tendenz steigend. Vor diesem Hintergrund sieht PV-Chefarzt Dr. Rudolf Müller in dem ambulanten Zentrum einen „wesentlichen Beitrag zur Vervollständigung der Versorgungskette in der psychiatrischen Rehabilitation, eine sinnvolle Ergänzung, mit der neue Zielgruppen besser erreicht werden können“.

 

 Info unter: www.bbrz-med.at

Von Mag. Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 45 /2010

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