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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel. Sie ist Medizinerin und Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 3. November 2010

News aus Brüssel: Versorgungsknappheit mit Radioisotopen

Anfang August verabschiedete die Kommission eine Mitteilung an das Europäische Parlament und den Rat. Die Themen betrafen unter anderem das dringliche Problem der Versorgungsknappheit bei Radioisotopen für die Nuklearmedizin. Der Hintergrund: Weltweit werden etwa 4 Milliarden Röntgenuntersuchungen jährlich durchgeführt, in Europa werden jedes Jahr etwa 9 Millionen Menschen mit Radioisotopen behandelt. Derzeit ist die Versorgung mit Technetium-99m (dem am häufigsten zu Diagnosezwecken verwendeten Radioisotop) knapp, da sie von einer zu geringen Zahl von Reaktoren, in dem das Ausgangsmaterial produziert wird, abhängt. „Im Rahmen der allgemeinen Nuklearenergiepolitik der Europäischen Kommission müssen unbedingt Anreize gesetzt werden für weitere Forschungsreaktoren, die zu der Produktion des Materials beitragen, und langfristig für neue, für diesen Zweck gebaute Reaktoren“, heißt es in der Mitteilung der Kommission.

Außerdem wurden Aspekte behandelt, die den Strahlenschutz von Patienten und medizinischem Personal verbessern und einen Anstieg der Strahlenbelastung der Bevölkerung im Zusammenhang mit den technischen Fortschritten der Computertomographie (CT) sowie eine Zunahme der unfallbedingten oder unbeabsichtigten Exposition in der Strahlentherapie vermeiden sollen. Dazu Energiekommissar Günther Oettinger: „Die Nuklearmedizin ist für die Diagnose und Behandlung schwerer Krankheiten wie Krebs, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Hirns von grundlegender Bedeutung. Gleichzeitig ist die Gesamtexposition der Bevölkerung gegenüber ionisierender Strahlung aufgrund medizinischer Verfahren größer als jede andere vom Menschen verursachte Exposition.“

Im Einzelnen werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Finanzierungsmechanismen für eine nachhaltige Versorgung mit Radioisotopen: Die Kommission bewertet verschiedene Finanzierungsmechanismen, um eine nachhaltige Radioisotopenversorgung im Interesse der öffentlichen Gesundheit zu gewährleisten.
  • Aufklärung und Sicherheitskultur: Die Angehörigen medizinischer Berufe müssen eine angemessene Unterweisung erhalten und regelmäßig über die aktuelle gute Praxis informiert werden; vor allem müssen sie aber für ihre Verantwortung sensibilisiert werden, sowohl eine gute medizinische Versorgung als auch einen angemessenen Strahlenschutz zu gewährleisten. Patienten und die allgemeine Bevölkerung müssen ebenfalls sensibilisiert werden.
  • Förderung des Strahlenschutzes und einer nachhaltigen Versorgung mit und Nutzung von Radioisotopen durch die Forschung: Maßnahmen im Zuge des Euratom- und des EU-Rahmenprogramms sowie im Rahmen der Technologieplattform für nachhaltige Kernenergie (SNETP) sollten zur Verbesserung des Strahlenschutzes und zur Entwicklung der Forschungsinfrastruktur und der Kompetenz beitragen.
  • Internationale Zusammenarbeit: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist in diesem Bereich sehr aktiv, und die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) hat wichtige Programme und Informationsinstrumente geschaffen. Die Kommission wird alle Initiativen, die koordinierte Bemühungen zum Ziel haben, unterstützen.

Siehe auch
Rettung in letzter Minute - Interview mit Prof.Dr. Winfried Petry
Wissenschaftlicher Direktor an der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) der Technischen Universität München

 

 Mehr unter: http://ec.europa.eu/energy/nuclear/radiation_protection/radiation_protection_en.htm

Dr. Lydia Unger-Hunt, Ärzte Woche 44 /2010

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