zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 27. Oktober 2010

Individuelle Faktoren entscheiden

Die Diagnose Osteoporose wird gestellt, wenn bei der Knochendichtemessung ein bestimmter, von der WHO festgelegter Grenzwert überschritten wird. In jüngster Zeit treten aber auch individuelle Faktoren vermehrt in den Vordergrund.

In Österreich sind etwa 750.000 Menschen betroffen: Statistisch gesehen erleidet jede dritte Frau und jeder fünfte Mann über 50 einen Knochenbruch, der auf Osteoporose zurückzuführen ist. Osteoporose wurde von der WHO durch eine erniedrigte Knochendichte definiert, da diese mit erhöhtem Frakturrisiko einhergeht. Da die Knochendichte mit dem Alter absinkt, kann damit die Hälfte der sonst gesunden Bevölkerung im höheren Alter als osteoporotisch und behandlungsbedürftig erklärt werden.

Dieser Umstand ist gerade unter dem Aspekt der herrschende Spardiskussion im Gesundheitswesen diskussionswürdig. Darüber hinaus ist damit auch nicht die Basis für eine optimale „Screening“-Strategie zu legen. In jüngster Zeit wird dem individuellen Frakturrisiko wieder deutlich mehr Gewicht gegeben. Risikofaktoren wie etwa das Alter, vorgängige Frakturen, das Körpergewicht oder die Familienanamnese für Osteoporose treten vermehrt in den Vordergrund. Das ermöglicht ein globales Screening, in das auch eine kostengünstige Ultraschall-Methode eingeschlossen werden kann, obwohl sie keine genaue Diagnose und keine Verlaufskontrollen erlaubt.

Da die medikamentöse Therapie besonders bei hohem Frakturrisiko kostenwirksam ist, empfiehlt sich, die individuelle Risikoevaluierung in dem Alter und in den Situationen durchzuführen, in denen das Frakturrisiko ansteigt und eine Therapie noch rechtzeitig eingesetzt werden kann.

Foto: AUVA Foto: KH Hietzing Foto: Kieser

In den Standpunkten (von links nach rechts)

"Screening nach jeder „Fragilitätsfraktur“ ist sinnvoll"
Dr. Andreas Greslehner, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Direktion der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA)

"Risikominimierung braucht Transparenz" 
Dr. Brigitte Ettl,
Ärztliche Direktorin am Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel, Obfrau der Plattform Patientensicherheit

"Osteoporose ist kein Schicksal und heute absolut unnötig"
Dr. Martin Weiß, Facharzt für Allgemeinmedizin und Chirotherapie in Rosenheim (D) und verantwortlich für die Schulung der Ärzte im Kieser Training

Von Mag. Renate Haiden, Ärzte Woche 43 /2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben