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OA Mag. Dr. Markus Gosch MAS, Leiter der Arbeitsgruppe „Polypharmazie und Pharmakotherapie im Alter“ der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie
 
Gesundheitspolitik 29. Jänner 2009

Bewusstseinsbildung zu Polypharmazie muss forciert werden

Sowohl heimische als auch internationale Studien weisen deutlich auf die mit der Polypharmazie einhergehenden Probleme hin. Studien wie jene aus Salzburg sind sehr wichtig, um das Bewusstsein dafür zu stärken. Sowohl im klinischen als auch niedergelassenen Feld gibt es Lücken im Wissen über mögliche Interaktionen – und diese werden ebenso wenig thematisiert. Oft gibt es das Gefühl: Mit der Verschreibung eines Medikaments wird auf jeden Fall etwas Gutes getan. Dazu kommt ein starker Druck von Patienten, tatsächlich mit einer Verschreibung von einem Arzt nach Hause zu gehen, egal wie viele Präparate sie schon nehmen. Weiters haben Ärzte Angst, wenn sie „zu wenig“ verschreiben, Haftungsprobleme zu bekommen.

Eine wichtige Maßnahme ist die Aufwertung der Funktionen des Hausarztes und des Arztes mit geriatrischer Zusatzausbildung. Denn oft ist ein gutes Case Management nötig, um zu entscheiden, welche Medikamente wirklich sinnvoll sind und wie diese mit Therapien und Informationsarbeit zu kombinieren sind.

In der „Arbeitsgruppe Polypharmazie und Pharmakotherapie im Alter“ entwickeln wir zurzeit einen Informations-Folder für Ärzte: Dabei geht es vor allem um jene Patienten, die sieben oder mehr Präparate gleichzeitig einnehmen. Gefördert werden soll damit auch, dass Symptome auch unter dem Aspekt analysiert werden, ob sie Konsequenzen von Nebenwirkungen oder Interaktionen sind. Im Hinblick auf eine höhere Patientensicherheit darf der Umstand nicht außer Acht gelassen werden, dass Todesfälle direkt oder indirekt mit diesen unerwünschten Wirkungen und Interaktionen zusammenhängen – hier hilft es wenig, wenn die Standesvertretung sich schwer tut, zu diesem Fakt zu stehen.

Die Arbeitsgruppe ist auch bei Kongressen präsent – das Thema Polypharmazie trifft jedenfalls auf großes Interesse und es werden oft sehr nachdrücklich vertiefende Informationen eingefordert.

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OA Mag. Dr. Markus Gosch MAS, Leiter der Arbeitsgruppe „Polypharmazie und Pharmakotherapie im Alter“ der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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