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Foto: Privat
Prof. Mag. Dr. Eckhard Beubler Vorstand des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Graz
 
Gesundheitspolitik 29. Jänner 2009

Medikamente: Weniger ist mehr

Polypharmazie ist ein Phänomen, das in allen industrialisierten Ländern zu finden ist. Ärzte versuchen auch mit Hilfe von Evidence Based Medizin (EBM) nach bestem Wissen und Gewissen zu behandeln. Und es ist einfach auch Fakt, dass gerade ältere Menschen multimorbid sind.

In den Spitälern gibt es zwar eine zentrale Aufnahme, bei der Entlassung nimmt der Patient dann aber verschiedene Verschreibungen mit – und zu oft sind es dann zu viele Medikamente, bei denen die möglichen Interaktionen zu wenig genau analysiert werden. Dazu müssen auch internationale Analysen wie eine Studie aus Schweden bedacht werden, die zeigt, dass etwa drei Prozent der Todesfälle direkt mit Polypharmazie zusammenhängen. Besonders kritisch sind Medikamente zur Blutgerinnung.

Polypharmazie sowie Multimedikation sind relativ junge Themen. Manche Ärzte laufen Sturm, wenn sie kritischer beleuchtet werden. Es müsste jedoch noch viel genauer analysiert werden, welche Medikamente wirklich unbedingt nötig sind. Vieles wäre auch über Veränderungen des Lebensstils möglich – wobei deutlich zu sagen ist: Die meisten Patienten sind absolut nicht zu diesen bereit. Nichtsdestotrotz muss der Lebensstil ein zentrales Thema sein.

Teilweise werden Medikamente aus prophylaktischen Gründen eingesetzt – gerade bei diesen sind mögliche unerwünschte Interaktionen und Nebenwirkungen zu beachten.

Die Umsetzung des Arzneimittelsicherheitsgurts ist sicher wünschenswert, aber kein Allheilmittel. Manche Medikamente sind über 15 Jahre am Markt und die Kenntnisse über sie daher teils veraltet. Ein Nachteil von Generika ist, dass wenig über mögliche Interaktionen geforscht wird.

Es braucht also bewusstseinsbildende Maßnahmen bei den Ärzten zur Polypharmazie und eine laufende Fortbildung. Wichtig wäre auch eine gute Kooperation zwischen Ärzten und Pharmakologen, gerade beim Thema der Interaktionen.

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Tabuthema Multimedikation

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Prof. Mag. Dr. Eckhard Beubler Vorstand des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Graz

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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