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Dr. Josef Lohninger Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte Salzburgs
 
Gesundheitspolitik 29. Jänner 2009

Schrittweises Vorgehen gegen Polypharmazie erforderlich

Keine Frage: Sowohl im intra- als auch im extramuralen Bereich ist Polypharmazie bei älteren Patienten ein Problem. Obwohl uns auch im pharmakologischen Teil unseres Studiums eingetrichtert wurde, dass mehr als fünf Medikamente gleichzeitig schlecht sind und massive Probleme verursachen können, wird nach wie vor zu oft mit dem Gießkannenprinzip vorgegangen. Also für jedes Symptom – egal wie schwerwiegend – ein Medikament.

Wobei Polypharmazie kein Phänomen ist, das sich von heute auf morgen in den Griff bekommen lässt. Schritte dazu sind kontinuierliche Fortbildungen zum Thema für Ärzte aller Bereiche. Bewusstseinsbildung ist sowohl bei Ärzten als auch bei den Patienten nötig – denn nicht jedes Wehwehchen muss unbedingt behandelt werden, und manchmal können die möglichen Risiken und Komplikationen schwerwiegender als das Symptom selbst sein. Wichtig ist daher eine gute und breite Aufklärung zu diesem Thema. Ebenso nötig wäre eine deutlich intensivere wissenschaftliche Begleitforschung.

Der Arzneimittelsicherheitsgurt hat mit der Thematik eigentlich wenig bis nichts zu tun. Dazu kommt, dass die zugrunde liegende Datenbank zu hinterfragen ist. Von den angeblich 15.000 im Salzburger Probelauf festgestellten Wechselwirkungen werden im Projektbericht der Apothekerkammer etwa 10.000 (über 60 Prozent) als „irrelevant“ bezeichnet. Beispielsweise wenn es zwar Interaktionen gibt, diese aber aufgrund des Behandlungsverlaufs oder nach den Vorgaben von Behandlungsleitlinien als unvermeidlich gelten. Und: Überhaupt nicht erfasst werden OTC-Produkte oder die berühmten „Hausmittel“ – aktuelle Studien zeigen, dass gerade diese für unerwünschte Wechselwirkungen im hohen Maß mitverantwortlich sind.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
Tabuthema Multimedikation

Lesen Sie zu diesem Thema auch diese Standpunkte:

  • Von Prof. Mag. Dr. Eckhard Beubler Vorstand des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Graz: Weniger ist mehr
  • Von OA Mag. Dr. Markus Gosch MAS, Leiter der Arbeitsgruppe „Polypharmazie und Pharmakotherapie im Alter“ der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie: Bewusstseinsbildung zu Polypharmazie muss forciert werden
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Dr. Josef Lohninger Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte Salzburgs

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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