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Foto: Buenos Dias/photos.com
Viele Krankheiten im Alter bedeuten für Betroffene die Einnahme von vielen Pillen täglich. Die Medikamentenflut tut dem Körper nicht immer nur gut.
 
Gesundheitspolitik 29. Jänner 2009

Tabuthema Multimedikation

Bei Menschen in höherem Alter treten häufig mehrere Erkrankungen gleichzeitig auf – das sollte nicht automatisch die Vervielfachung der ausgestellten Rezepte bedeuten.

Mehr als die Hälfte der über 75-Jährigen nimmt mehr als sechs Medikamente täglich ein. Bei etwas mehr als einem Fünftel treten Fehldosierungen auf. Und: Es werden viele „verzichtbare Substanzen“ verordnet (36 Prozent), so die Ergebnisse einer Studie von Salzburger Universitätsmedizinern und Krankenhausapothekern, die kürzlich in der Wiener Klinischen Wochenschrift (Wien Klin Wochenschr (2008) 120: 733-741, Springer Verlag Wien) publiziert wurde. Vor allem auch Pentoxiphylline, Ginkgo biloba, Benzodiazepine und Antidepressiva waren unter den als „verzichtbar“ bewerteten Arzneimitteln zu finden, die älteren, internistischen Patienten verschrieben werden. Dazu kommt: 17,8 Prozent der in die Salzburger Klinik aufgenommenen Kranken litten unter unerwünschten Wirkungen. 56,7 Prozent dieser Patienten wurden überhaupt deshalb hospitalisiert.

Die Studienautoren fordern vor allem rasche Maßnahmen zur Verbesserung der Verschreibungsqualität – ein Werkzeug dafür könnte auch der nach wie vor heiß umstrittene Arzneimittelsicherheitsgurt sein, der unerwünschte Interaktionen und Mehrfachdosierungen verhindern helfen soll.

Auch andere Daten zeigen das Problem Multimedikation auf: Laut Analysen des Hauptverbands der Österreichischen Sozialversicherungsträger aus dem Jahr 2006 haben 50- bis 59-jährige Österreicher pro Kopf im Schnitt jährlich 20 Arzneimittelverschreibungen, bei den 70- bis 79-Jährigen sind es 40. Damit steigen sowohl die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Arzneimittelwechselwirkungen als auch die Kosten für die Allgemeinheit.

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Viele Krankheiten im Alter bedeuten für Betroffene die Einnahme von vielen Pillen täglich. Die Medikamentenflut tut dem Körper nicht immer nur gut.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche

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