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Rund 1.000 Angehörige der Medizinischen Universität und der Klinik unterstützten heute die gemeinsame Aktion von Rektor, Senatsvorsitzendem, Betriebsrat und der Österreichischen HochschülerInnenschaft bei der Protestaktion.
 
Gesundheitspolitik 19. Oktober 2010

MedUni Innsbruck richtet Apell an die Regierung

Rund 1.000 Angehörige der Medizinischen Universität und der Klinik unterstützten heute die gemeinsame Aktion von Rektor, Senatsvorsitzendem, Betriebsrat und der Österreichischen HochschülerInnenschaft bei der Protestaktion. „Sollten die im Frühjahr gefassten Beschlüsse der Bundesregierung zur Stagnation oder sogar einer Budgetkürzung im Universitätsbereich ab dem Jahr 2013 tatsächlich vorgenommen werden, ist mit weitreichenden Folgen für den Universitätsstandort Innsbruck zu rechnen", fasst der Rektor der Medizinischen Universität, Univ.-Prof. Dr. Herbert Lochs die Finanzierungssituation zusammen.

Aufhebung der Beschlüsse gefordert

Um auf diese gravierende Situation gezielt aufmerksam zu machen und an die Regierungsspitze einen Appell zur Aufhebung der Beschlüsse zu richten, hat heute eine Protestaktion der Medizinischen Universität Innsbruck stattgefunden, die in die gemeinsame Teilnahme mit der Universität Innsbruck an der Universitätsvollversammlung mündet. „Es gilt, den Stellenwert der universitären Bildung in Österreich zu stärken, eine bedarfsgerechte Finanzierung zu sichern und auf diesem Weg angemessene Studienbedingungen herzustellen", betont Rektor Lochs.

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Personalabbau und Schließungen 

"Wird das Budget im nächsten Jahr so beibehalten, muss die Medizinische Universität mit einer negativen Bilanz abschließen. Das bedeutet, dass wir schon jetzt mit einem Personalabbau beginnen müssten", so der Rektor. Daneben stünde  die Schließung von Forschungseinrichtungen an, verschiedene Lehr- und Versorgungsleistungen der Medizinischen Universitäten müssten eventuell zurückgefahren werden. "Das würde bedeuten, dass Forschungsergebnisse beispielsweise nicht mehr schnell in neue Behandlungsformen umgesetzt werden können, so dass die Krankenversorgung sich erheblich verschlechtern würde. Wir appellieren deshalb an das Verantwortungsbewusstsein unserer Regierung."

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Statements von der Medizinischen Universität Innsbruck

Univ.-Prof. Dr. Martin Krismer, Vorsitzender des Senats der Medizinischen Universität Innsbruck

Die Universitätskliniken übernehmen in großem Umfang in diesem Land die Ausbildung von FachärztInnen. In meinem eigenen Fachbereich der Orthopädie werden 3/4 aller FachärztInnen des Landes an der Klinik ausgebildet. Werden Stellen reduziert, würde es die jungen ÄrztInnen betreffen, und sie würden keine Stellen für Ausbildung zum Facharzt/zur Fachärztin finden.

Nun sollen durch Budget-Kürzungen gerade die Einrichtungen, die Spitzenmedizin betreiben – die Universitätskliniken – deutlich geschwächt werden. Spitzenmedizin kann man nicht „ein bisschen" reduzieren. Für den Nachtdienst an einer Intensivstation für Neugeborene, für den Journaldienst eines Transplantationsteams steht schon jetzt die gerade noch ausreichende Anzahl an ÄrztInnen zur Verfügung. Hier kann man nicht einfach reduzieren.

Wir möchten die Tiroler Bevölkerung darauf aufmerksam machen, dass hier ihr ureigenstes Interesse bedroht ist – die Gesundheitsversorgung.

Wir brauchen Ihre Unterstützung und jene der Tiroler Politiker, um zu verhindern, dass sich unser derzeit noch ausgezeichnetes Gesundheitssystem nachhaltig verschlechtert.

Ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Tiefenthaler, Vorsitzender des Betriebsrates für das wissenschaftliche Personal

Die Unterfinanzierung der Universitäten ist dramatisch. Den österreichischen Universitäten fehlen zwischen 500 und 700 Millionen Euro. Auch wenn die Rektorate alle möglichen betriebswirtschaftlich sinnvollen Hausaufgaben erledigt haben, sind sie die Mängelverwalter der Universitäten Österreichs, die permanent an den gesellschaftspolitischen Zielsetzungen der universitären Bildung Abstriche machen müssen.

Die chronische Unterfinanzierung der Universitäten bedingt erhebliche Einschnitte:

• Zuletzt hat das Ministerium die Stellen für Nachwuchswissenschafter/innen auf ein Minimum zusammengekürzt.

• Mit der von der Bundesregierung zu verantwortenden Budgetkürzung wird die Universität im nächsten Jahr zahlreiche Stellen einsparen müssen.

• Von einer Ausweitung der Studierendenzahlen auf die vom Nationalrat geforderten 500 Studienbeginner/innen kann keine Rede mehr sein!

Bereits im November 2009 hatte die Bundesregierung einstimmig beschlossen, bis 2020 die Universitätsfinanzierung auf 2 % des BIP zu steigern. Bei den tatsächlichen Aufwendungen für die Universitäten mit 1,3 % des BIP ist Österreich damit weit abgeschlagen. Deutschland leistet sich auf hohem Niveau von 2,8% BiP Unifinanzierung jetzt für die Bewältigung der Krise zusätzliche 12 Mrd. Euro für die Universitäten.

Mit heutigem Datum muss der österreichischen Bundesregierung klar sein, dass diese Kürzung zu einer Reduktion der Forschung, zu einer Verschlechterung der ärztlichen Ausbildung und auch zu einem medizinischen Versorgungsengpass führen wird.

Fordern wir die Bundesregierung auf, ihre Hausaufgaben zu machen und über die Legislaturperiode hinaus weitsichtige Entscheidungen für die Zukunft Österreichs zu treffen.

Ursula Neubauer, Vorsitzende der Universitätsvertretung, HochschülerInnenschaft

Die Lage ist ernst! Die Budgetsituation an unserer Universität ist bereits prekär und nun sind zusätzliche Einsparmaßnahmen geplant.

Die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten ist nicht zu jedem Preis möglich! Wir sind bereits unterfinanziert und bei weiteren Kürzungen müssen wir Studierenden der medizinischen Universitäten aber in Folge auch die österreichische Bevölkerung mit besorgniserregenden Konsequenzen rechnen.

Essentielle Teile unsere Ausbildung wie Kleingruppenunterricht, Bedside teaching und das praktische Erlernen von klinischen Fertigkeiten wären nicht mehr finanzierbar. Doch genau das ist für Medizinstudierende besonders wichtig. Das medizinische Wissen verdoppelt sich alle fünf Jahre – diese enorme Menge an Fakten kann aber nur in einem guten Betreuungsverhältnis vermittelt werden.

Außerdem ist das Erlernen von praktischen Fähigkeiten in großen Gruppen undenkbar und praktisch unmöglich. Es ist unzumutbar wenn sich 30 Studierende um eine/n kranke/n Patienten/in in der Klinik scharen müssen; aber genauso ist es unverantwortlich, wenn später unzureichend ausgebildete ÄrztInnen die Patientenversorgung übernehmen.

Die vorgesehenen Kürzungen münden unabdingbar in zwei möglichen Szenarien:

Entweder werden die Unis gezwungen sein, weniger Studienplätze zur Verfügung zu stellen, um weiterhin eine qualitativ hochwertige Ausbildung nach heutigem Standard gewährleisten zu können. Dies impliziert eine geringere Anzahl an zukünftigen ÄrztInnen, was in einer immer älter werdenden Gesellschaft zwangsläufig zum Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung führen wird.

Die andere Option ist, bei weniger Geld gleich viele Studierende auszubilden. Dies wird unweigerlich zu schlechter ausgebildeten ÄrztInnen führen.

Nicht nur für uns Studierende sondern für die gesamte österreichische Bevölkerung sind die Folgen der Budgetkürzungen gravierend.

MedUni Innsbruck

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