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Gesundheitspolitik 19. Oktober 2010

Uni-Einsparungen: ÖÄK befürchtet katastrophale Auswirkungen

"Die Universitätskliniken tragen die Hauptlast der Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte. Die Effizienz ihrer Ausbildung, sowohl während des Studiums als auch danach im Turnus oder der Facharztausbildung, entscheidet über die zukünftige Qualität der medizinischen Versorgung in Österreich." Versäumnisse im Jetzt würden daher katastrophale Auswirkungen für die Bevölkerung in zehn oder mehr Jahren haben. Darauf verwies der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Walter Dorner, in einer Stellungnahme anlässlich des Protesttages der österreichischen Universitäten.

Erste Warnsignale

Schon derzeit seien die Budgets der medizinischen Universitäten in Österreich "äußerst knapp bemessen". Dies schlage sich sowohl in der Forschung als auch in der Patientenbetreuung und der Ausbildung nieder. Erste "Warnsignale" gebe es bereits. "Vor allem in den Fächern Anästhesiologie, Innere Medizin und Chirurgie könnten schon bald ernste Versorgungsprobleme entstehen", warnt der Ärztechef.

Alternde Fachärzteschaft

Dazu komme, dass in etwa ein Viertel der Fachärzteschaft mehr als 55 Jahre alt sei. Und die Alterspyramide schiebe sich immer weiter nach oben. Zahlreiche Facharztstellen und leitende Positionen, die derzeit von über 55-Jährigen besetzt sind, würden in den kommenden zehn Jahren vakant werden. Dorner: "Wenn nun die Universitätskliniken aus finanziellen Gründen nicht in der Lage sind, genügend Ärztinnen und Ärzte auszubilden, dann droht in zehn bis 20 Jahren ein eklatanter Ärztemangel in Österreich."

Negatives Beispiel sei hier die Situation in Deutschland. Dort hätten die Verantwortlichen jahrzehntelang den Mängeln in der Ausbildung sowie den schlechten Rahmenbedingungen des Arztberufs untätig zugesehen, "und nun gibt es ganze Landstriche mit einem so eklatanten Ärztemangel, dass aus allen Regionen Europas Mediziner abgeworben werden müssen".

Mehr Geld für Lehre, Forschung und Patientenbetreuung

Eine direkte Folge der „finanziellen Ausdünnung der Medizinuniversitäten sowie aller weiteren Spitäler Österreichs“ sei die hohe Belastung der im Gesundheitswesen tätigen Personen. Dorner erinnert hier an aktuelle Studien, wonach bis zu 50 Prozent der Ärztinnen und Ärzte burn-out-gefährdet seien. Bis zu ein Fünftel zeige bereits erste manifeste Symptome von Burn-out. Und bis zu ein Drittel der Befragten würde den Arztberuf rückblickend nicht mehr ergreifen wollen.

"Was mich besonders erschreckt ist der Umstand, dass Entmutigungserscheinungen sich häufig schon bei jungen Kolleginnen und Kollegen finden", betont der Ärztekammerpräsident. Besonders gefährdet seien gerade die Besten: "Ärztinnen und Ärzte mit hoher Einsatzbereitschaft, hoher Kompetenz und ausgeprägter Empathie, die sich besonders für die Patienten einsetzen."

Nicht immer sei die mangelnde finanzielle Bedeckung der alleinige Grund für die Überbeanspruchung so vieler Ärztinnen und Ärzte. Meist aber spiele das fehlende Geld "eine nicht unwesentliche Rolle". Deswegen schließt sich die Ärztekammer auch "vollinhaltlich" den Forderungen der drei medizinischen Universitäten Österreichs an. Dorner: "Was wir brauchen ist mehr Geld für die Forschung, mehr Geld für die Patientenbetreuung, und vor allem mehr Geld für die ärztliche Ausbildung." Nur so könne eine flächendeckende Ausbildung an den Universitäten, abseits von bürokratischen Aufgaben, erfolgen. (hpp)

OTS/Ärztekammer

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