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Foto:Ärztekammer
Dr. Harald Mayer Vizepräsident der Ärztekammer, Bundesobmann der angestellten Ärzte
 
Gesundheitspolitik 8. September 2010

Ein Gefühl von Sicherheit

In Zusammenhang mit der Spitalsreform wird regelmäßig argumentiert, dass unsere Spitäler zu teuer seien. Es wird argumentiert, dass die Österreicherinnen und Österreicher trotz der hohen Kosten und trotz zahlreicher Spitalsaufenthalte nicht gesünder seien als die Menschen in anderen europäischen Ländern. Das Einsparungspotenzial wird mit Beträgen in Milliardenhöhe beziffert, ohne dass diese Phantasiezahlen belegt werden. Die jüngsten Kommentare prognostizieren Spitalskosten in der Höhe von mehr als elf Milliarden Euro und reduzieren das heimische Gesundheitswesen wieder einmal nur auf den finanziellen Aspekt. Solche Äußerungen sind monoton und entbehrlich. Sie zielen darauf ab, die hervorragend funktionierende Spitalsversorgung in unserem Land zu demontieren, und lassen jede Menschlichkeit vermissen.

Gerade die existenziellen Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung werden in der Diskussion völlig ausgeklammert. Dabei sind besonders Menschen in peripheren Gebieten auf kleine Spitäler angewiesen – eine fachärztliche Rund-um-die-Uhr-Versorgung gibt es auf dem Land nur in Spitälern. Und auch die geringe Mobilität kranker und älterer Menschen spricht ganz klar für eine Mindestdichte an Krankenhäusern. Der moderne Mensch mag mobiler sein als früher, doch diese Mobilität besteht nur so lange, wie der Mensch gesund ist. Es ist eine Zumutung, zu erwarten, dass kranke Menschen – womöglich noch in einer akuten Notsituation – 60 Kilometer oder mehr zurücklegen, um ins nächste Spital zu gelangen. Ein Spital in der Nähe vermittelt auch ein Gefühl von Sicherheit, ähnlich wie das Vorhandensein einer Feuerwehr oder einer Polizeistube.

Schließlich sind kleinere Spitäler wichtige Arbeitgeber in den Regionen. Eine Schließung würde bedeuten, zahllose Arbeitsplätze auf einen Schlag zu vernichten. Reformen sind gut und wichtig. Aber sie dürfen nicht durchgeführt werden, ohne Alternativen durch neue extramurale Versorgungsstrukturen zu schaffen. Und sie dürfen erst recht nicht zulasten der Bevölkerung gehen.

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