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Thomas Czypionka Institut für Höhere Studien, Wien
 
Gesundheitspolitik 16. Jänner 2009

Die vorhandenen Kapazitäten sollten besser genutzt werden

Die demographische Entwicklung in Österreich erfordert zwar mehr Ärzte und Ärztinnen, aber neue Technologien reduzieren den Bedarf auch wieder. Ein Beispiel: Heute kann eine Lungenentzündung dank Antibiotika deutlich schneller abheilen als in früheren Zeiten. Minimal-invasive Eingriffe verkürzen die Rehabilitationszeit beträchtlich – es gibt noch viele andere Beispiele. Zudem können Tätigkeiten von Ärzten von anderen Berufsgruppen übernommen und so die kostspielige Ausbildung der Ärzte besser genutzt werden. Außerdem benötigen geriatrische Patienten vor allem Pflegeleistungen, während der Bedarf an ärztlichen Interventionen mit der Lebenserwartung nicht linear ansteigt.

Österreich kann nicht isoliert betrachtet werden. Ich würde hier eine Abstimmung im gesamten deutschsprachigen Raum und eventuell darüber hinaus empfehlen, da der Arbeitsmarkt der Zukunft nun einmal nicht an der Grenze endet.

Linz wäre zwar theoretisch ein logischer vierter Standort für eine Medizinuniversität. Allerdings sind die nötigen Investitionen nicht zu unterschätzen, und es stellt sich auch die Frage der Verteilung von begrenzten Mitteln für die medizinische Forschung auf vier Standorte. Und: Mehr Wertschöpfung in Oberösterreich würde wohl entsprechende Verluste an den anderen Uni-Standorten bedeuten.

Wichtig wäre als erster Schritt zunächst, die Inhalte der medizinischen Ausbildung klarer zu strukturieren. Die Ausbildung zum Allgemeinmediziner sollte ein verbessertes und längeres Curriculum beinhalten. Die Stellenplanung im gesamten postpromotionellen Bereich sollte besser mit dem zukünftigen Bedarf abgestimmt werden. Und es geht auch um die Frage, wie mit Überstunden umzugehen ist: Die Ärzte müssen wie in Deutschland und vor allem der Schweiz von nicht-ärztlichen Tätigkeiten befreit werden. Das rechnet sich auch für die Spitäler.

Sicher sinnvoller ist es also, zunächst die vorhandenen Ausbildungskapazitäten zu nutzen und zu erweitern, bevor ein neuer Standort eröffnet wird.

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Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche

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