zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 24. August 2010

Wie sinnvoll ist Gender Medicine?

Eine aktuelle Metastudie stellt die geschlechtsspezifische Behandlung in Frage.

Bestimmte Krankheiten äußern sich bei Frauen anders als bei Männern. Auch Medikamente haben geschlechtsspezifische Auswirkungen, oftmals mit fatalen Folgen. Einige Beispiele: Bei Verdacht auf Herzinfarkt wird bei Frauen verstärkt auf Bauch- oder Rückenschmerzen geachtet. Junge Frauen haben bei Herzerkrankungen, wie auch bei Diabetes eine höhere Mortalitätsrate und unter den Beta-Blockern wiederum gibt es etliche, die bei Frauen stärker wirken.

Die Nebenwirkungsrate ist bei Frauen generell eineinhalb Mal höher als bei Männern. Das ist auf den früheren Ausschluss von Probandinnen und den damit verbundenen Datenmangel zurückzuführen. Im Gegensatz dazu berichtet eine brandneue Metastudie, dass für die Mehrheit der Medikamente das Geschlecht der Behandelten keinen Einfluss auf die Wirksamkeit und die Sicherheit hat. Wie ist das möglich?

In der Übersichtsstudie wurden die Daten von über 250.000 Patientinnen und Patienten zusammengefasst und 65 Medikamente überprüft. Im Pro und Contra: Die Genderprofessorin Dr. Alexandra Kautzky-Willer und Studienleiter Prof. Dr. Gerald Gartlehner.

 

Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer   Prof. Dr. Gerald Garlehner

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Gender-Unterschiede bei den Nebenwirkungen."
In Zukunft müssen Unterschiede zwischen Frauen und Männern bereits im Studiendesign berücksichtigt und in den Originalpublikationen klar dargelegt werden.
Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer Diabetologin an der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Wien, und erste Professorin für Gender-Medizin in Österreich
> Standpunkt lesen

Standpunkt 2
"Das Geschlecht spielt eine untergeordnete Rolle."
Gender Medicine ist eine wichtige zeiterscheinung, aber in Zukunft wird sie von individualisierter Medizin abgelöst werden.
Prof. Dr. Gerald Garlehner Prof. Dr. Gerald Gartlehner, MPH, Departmentleiter für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemologie an der Donauuniversität Krems und Studienleiter der Metastudie über Gender Medicine bei medikamentösen Therapien
> Standpunkt lesen

Von Mag. Michael Strausz, Ärzte Woche 34 /2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben