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Gesundheitspolitik 17. August 2010

Diskussion um Gefahr durch das HI-Virus

Anlässlich der Welt-AIDS-Konferenz wurde Grundsätzliches hinterfragt.

Statt des üblichen Sommerlochs herrschte im Juli in Wien dank der 18. Internationalen AIDS-Konferenz (AIDS 2010) Hochbetrieb. Ein vergleichsweise kleiner Kongress sorgte im Vorfeld für Irritation.

 

Beim Kongress „AIDS zwischen Wissen und Dogma“ wurde der Vorwurf erhoben, dass „wie im Falle der Schweine- oder Vogelgrippe und des Rinderwahns“ eine Überbewertung von HIV/Aids stattgefunden hätte: Die Lage sei nicht so dramatisch, wie Kampagnen nahelegen würden.

In der österreichischen AIDS-Statistik1 des Bundesministeriums für Gesundheit vom 4. Juni 2010 wird die Gesamtzahl der Erkrankten seit 1983 mit 2.786 angegeben (davon sind 1.520 Patienten verstorben). Der Ursache „heterosexuelle Kontakte“ wurden seit Beginn 576 Erkrankungen zugeordnet (davon 203 Todesfälle) – 298 (99) Männer und 278 (104) Frauen. DDr. Christian Fiala spricht in diesem Zusammenhang von „25 Jahren Panikmache“ (siehe Meinung ): Schon lange hätte sich abgezeichnet, dass das HI-Virus für Heterosexuelle keine Bedrohung darstelle und dass die Verwendung von Kondomen nicht der Weisheit letzter Schluss sein könne. Die Kategorisierung sei darüber hinaus fragwürdig: Die Patientenbefragung lässt keinen verlässlichen Rückschluss darauf zu, auf welchem Wege ein Virus in den Organismus gefunden hat.

Die Veranstaltung sorgte nicht nur für wohlwollendes Feedback, sondern auch für Reaktionen, die von Kopfschütteln bis Empörung reichten. Prof. Peter Duesberg, Molekular- und Zellbiologie an der Universität von Kalifornien, Berkeley, ließ mit Aussagen wie dieser aufhorchen: „HIV ist ein harmloses Virus, welches keine Krankheit verursacht und durch Antikörper bei Millionen von Menschen in Afrika neutralisiert wurde.“ Dass sich das HI-Virus möglicherweise in den letzten 20 Jahren verändert hat und daher nun weniger virulent sei, verneinte er: Das könne gar nicht sein, da dies ja im Gegensatz zu Darwins Evolutionstheorie stünde. Laut dieser würden immer die Stärksten selektioniert. Diese Aussage ist nun aber gerade aus evolutionsbiologischer Sicht grundlegend falsch.

Zur Frage, ob im Vergleich zu weiter verbreiteten Erkrankungen nicht zu viel Geld und dies auch noch ineffizient investiert würde, ist man bei „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) erwartungsgemäß anderer Meinung: Die Organisation warnte eindringlich davor, bei der Unterstützung von HIV/AIDS-Patienten in armen Ländern zu sparen, und hat in einem Bericht1 die verheerenden Konsequenzen aufgezeigt, die dort durch mangelnde internationale Unterstützung zu erwarten seien. Der Geschäftsführer der österreichischen MSF-Sektion bezeichnete es als zynisch, „das fehlende Engagement angesichts dieser weltweiten humanitären Katastrophe mit der hierzulande angespannten Finanzsituation zu begründen“. Dr. Tido von Schön-Angerer, Direktor der Medikamentenkampagne „Access to Essential Medicines“ von MSF bezeichnete die Zweifler-Veranstaltung gegenüber der Ärzte Woche als „Störfaktor“. Als Mediziner habe er in Afrika gesehen, wie Menschen „vom Sterben durch die Therapie zurückgeholt“ worden seien. Auch MSF sei allerdings im Kampf mit Firmen, die die Medikamente zu teuer anböten. 

Österreichische AIDS-Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit:
http://www.bmgfj.gv.at/cms/site/attachments/5/4/4/CH0745/CMS1102001699176/aids-statistik9904.pdf

 

Bericht von „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF):
"The Ten Consequences of AIDS Treatment Delayed, Deferred, or Denied"
http://www.aerzte-ohne-grenzen.at/fileadmin/data/pdf/reports/2010/MSF_Report_Aids_2010.pdf

 

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