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Gesundheitspolitik 17. August 2010

Fachwissen ist für alle da

Seit Anfang August steht der Erstattungskodex (EKO) nicht nur Ärzten, sondern zusätzlich den Patienten zur Verfügung. Auch Medizinern bringt der neue EKO ein paar Erleichterungen.

Möglich macht das eine Weblösung, die auch ohne Praxissoftware funktioniert. Auf ihr werden nun wirkstoffgleiche und wirkstoffähnliche Präparate gesondert dargestellt, zusätzlich wurde das Quartals-Update durch ein aktuelleres monatliches Update ersetzt. Auch einige Zusatzinformationen wurden verbessert.

 

Das Ziel der Neueinrichtung ist, die Medikamentenkosten von jährlich 2,84 Milliarden Euro (Stand 2009) weiter zu senken, und zwar konkret von derzeit 40 auf insgesamt 70 Prozent, so der Hauptverband der Versicherungsträger in seiner Aussendung. Basis hierfür sind die Richtlinien über die ökonomische Verschreibweise (RöV). Deren konsequente Umsetzung ist mit einigen Ärztekammern, so in Salzburg, Oberösterreich und seit Juni auch in Vorarlberg, vertraglich geregelt, was nicht immer konfliktfrei über die Bühne ging. In Salzburg endeten die Diskussionen vor Gericht: Die Pharmig klagte wegen „unlauteren Wettbewerbs“.

Der sparsame Patient

Wie der Hauptverband betont, sei es nicht das Ziel, mit der Öffnung des Ökotools auf den mündigen und auch sparwilligen Patienten zu setzen. Vielmehr gehe es darum, dass neben den Ärzten die Betroffenen selbst mit bestmöglicher Information versorgt werden. Alle interessierten Laien könnten sich deshalb seit Anfang August direkt online ein Bild über ihre Medikamente, Generika und deren Wirkstoffe machen. Über die beste Therapie entscheide aber natürlich weiterhin der Arzt.

Dass bei Einsparungswünschen Zahlen dehnbare Parameter sind, zeigt die Auslegung der Medikamentenkosten: Die Angaben des Hauptverbandes differieren um fast 1 Milliarde Euro von jenen der Pharmaindustrie. Während die Kassen die Gesamtkosten von 2,84 Milliarden als Basis nehmen, zieht die Pharmig den Nettobetrag vor. Werden Rezeptgebühren und Mehrwertsteuer abgezogen, bleibt ein Nettobetrag von 2,2 Milliarden. Tatsache bleibt, dass bei Milliardenbeträgen das Einsparungspotenzial entsprechend hoch ist.

Verbesserte Funktionen

Abseits des üblichen Gerangels zwischen Kassen und Pharmaindustrie wurden mit dem neuen Ökotool endlich auch lang geforderte Medizinerwünsche erfüllt: So wird das Update nun monatlich erfolgen. Über das Web können Ärzte auch im Krankenhaus zugreifen und vor allem wurde die lang kritisierte gemeinsame Auflistung wirkstoffähnlicher und wirkstoffgleicher Präparate nun verbessert.

Für November kündigt der Hauptverband der Sozialversicherungsträger noch weitere Verbesserungen an: Dann soll der Erstattungskodex nicht nur im Internet, sondern gleich über die e-Card-Schnittstelle zur Verfügung stehen. Das wird weitere Erleichterungen bringen, wie zum Beispiel den direkten Zugriff von der e-Card und ein automatisches Update des EKO.

Von Andrea Niemann, Ärzte Woche 29 /2010

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