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Gesundheitspolitik 15. Jänner 2009

Wann kommt die vierte Medizinuniversität?

Die heimische Ärzteschaft befürchtet, dass es in Zukunft zu wenige Mediziner für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung geben wird und fordert eine zusätzliche österreichische Ausbildungseinrichtung.

Schon seit 1996 gibt es Pläne für eine medizinische Fakultät in Linz. Angesichts aktueller Daten der Wiener Wirtschaftsuniversität über den steigenden Bedarf an Medizinern fordern Ärztekammer und Landespolitiker deren möglichst rasche Realisierung.

Nur sehr holprig waren Ende der Neunzigerjahre erste Versuche verlaufen, Medizinstudenten die Absolvierung des zweiten und dritten Studienabschnitts in Linz zu ermöglichen. Nun präsentierte die oberösterreichische Ärztekammer aktuelle Daten über den zu erwartenden Bedarf an neuen Ärzten, die die Wirtschaftsuniversität Wien erhoben hat. Demnach steigt dieser von derzeit 1.000 pro Jahr bis 2019 auf 1.600. Als Hauptgrund wird dafür die demografische Entwicklung und der damit einhergehende höhere Versorgungsbedarf angeführt. Gleichzeitig werden in den kommenden Jahren überdurchschnittlich viele Ärzte aus den geburtenstarken Jahrgängen 1956 bis 1965 in den Ruhestand gehen. Außerdem steigt – nicht zuletzt durch den höheren Frauenanteil unter den Medizinern – die Zahl der Teilzeitbeschäftigten.

Mitte des Vorjahrs wurde in Oberösterreich ein Allparteienantrag beschlossen, in dem die möglichst umgehende Errichtung einer medizinischen Fakultät in Linz eingefordert wird. Nach einer Analyse der Medizinischen Gesellschaft Oberösterreich würden der einmalige Investitionsaufwand zehn Millionen Euro betragen und die laufenden Kosten mit neun Millionen Euro jährlich zu Buche schlagen. Das würde freilich eine deutliche Aufwertung des Wirtschaftsstandorts Oberösterreich bedeuten. Etwa 1.300 Mediziner lassen sich zurzeit jedes Jahr auf der Ärzteliste neu eintragen. Das entspricht ungefähr auch dem momentanen Output der heimischen medizinischen Universitäten. Laut dem aktuellen Regierungsübereinkommen soll „bei Bedarf“ die Zahl der Studienplätze auf bis zu 2.000 pro Anfangssemester erhöht werden können – seitens der Universitäten wird allerdings auf fehlende finanzielle, personelle und strukturelle Ressourcen verwiesen.

Als mögliche Variante wird für Linz eine Privatuniversität diskutiert. Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer kann sich diesen Schritt jedoch nur dann vorstellen, wenn er die Zusage erhält, dass die Privatuniversität innerhalb der nächsten fünf Jahre in eine öffentliche Universität umgewandelt wird.

 

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Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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