zur Navigation zum Inhalt
Foto: IAS
Dr. Hans Haltmayer Ärztlicher Leiter des Drogenambulatoriums „Ganslwirt“ und Verein Wiener Sozialprojekte
 
Gesundheitspolitik 6. Juli 2010

Bestehende Angebote sollten rasch erweitert werden

Die HIV-Epidemie unter Österreichs intravenös Drogen Konsumierenden (IVDU) in den 80er- und 90er-Jahren führte zu einem Kurswechsel in der heimischen Drogenpolitik. Pragmatismus und die Schaffung von niedrigschwelligen Drogeneinrichtungen – die erste und bekannteste: „Der Ganslwirt“ in Wien – ermöglichte Drogenkranken den Zugang zu Überlebenshilfe, medizinischer Grundversorgung und Spritzentausch. Die frühe Verfügbarkeit von Spritzentausch und Substitutionsbehandlung ist ursächlich für die mit 5 bis 8 Prozent vergleichsweise niedrige HIV-Prävalenz unter IVDUs in Österreich. Entwicklungen in Osteuropa zeigen, dass in Ländern ohne Zugang zu Spritzentausch und Substitutionsbehandlung die Verbreitung von HIV exorbitante Ausmaße erreicht. Ein weiterer Ausbau des Spritzentausches in Österreich, vor allem in ländlichen Regionen, ist aber erforderlich, Zugang und Erreichbarkeit sollten flächendeckend sein.

Dass ein Spritzentausch in Österreichs Haftanstalten nicht verfügbar ist, setzt Inhaftierte einem unnötig hohen Infektionsrisiko aus. Der intravenöse Drogenkonsum in Haft ist evident. Spritzentausch in Haftanstalten ist eine wesentliche gesundheitspolitische Forderung. Drogenkonsumräume können dort, wo sie sinnvoll sind, die Infektionsrate weiter senken. Anstrengungen zum Ausbau der Substitutionsbehandlung als effektivste Therapie der Opiatabhängigkeit müssen verstärkt, der Zugang zur Behandlung erleichtert werden: Zentren für Schwerkranke, niedergelassene Ärzte für stabile Patienten. Wenn die orale Substitutionsbehandlung um die intravenöse Substitutionstherapie erweitert würde, könnten mehr Patienten in Behandlung gehalten werden. In Österreich ist es weitgehend politischer Konsens, dass Sucht eine, sekundär mit Begleit- und Beschaffungskriminalitätassoziierte, Erkrankung ist. Bestehende Angebote wie „Therapie statt Strafe“ wären daher zu erweitern.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben