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Das Management chronischer Erkrankungen wird mit der neuen Telemedizinlösung erheblich einfacher und sicherer.
Foto: Orange/A.Halada

Michael Krammer Orange CEO

Foto: ASBÖ

Franz Schnabl, Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes

 
Gesundheitspolitik 30. Juni 2010

„healthe“: Mobil und sicher durch den Alltag

Ein elektronisches medizinisches Tagebuch für Diabetiker und Bluthochdruck-Patienten bringt Unabhängigkeit und damit mehr Lebensqualität zurück.

Die EU-Kommission erwartet bis 2014 einen Anstieg der Ausgaben für E-Health-Lösungen von 24 auf über 37 Milliarden Euro. Ein Pionierprojekt wurde vor wenigen Tagen der Öffentlichkeit präsentiert: Orange, Alcatel-Lucent und der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs starteten „healthe“, eine patientenorientierte mobile E-Health-Lösung, bei der Vitalwerte wie Blutdruck oder Blutzucker bei jeder Messung automatisch und verschlüsselt via Handy an eine zentrale Plattform versendet werden.

 

Mehrmals täglich Blutdruck oder Zuckerwerte messen, das alles zu einem bestimmten Zeitpunkt und dann noch die Werte penibel dokumentieren gehört zum Alltag für rund 500.000 Diabetiker und eineinhalb Millionen Bluthochdruck-Patienten in Österreich. Dieser aufwändige Vorgang soll durch eine neue E-Health-Lösung künftig deutlich einfacher werden. „Das Service ist unkompliziert und für jede Altersgruppe via Handy einfach zu bedienen“, erklärt Orange CEO Michael Krammer.

Patienteninput eingearbeitet

Diese Schlüsse zieht er aus der zwölfmonatigen Testphase, in der 42 Personen im Alter zwischen vier und 89 Jahren „healthe“ vorab ein Jahr lang getestet haben. Deren Erfahrungsberichte wurden herangezogen, um das Produkt an die unterschiedlichen Bedürfnisse entsprechend anzupassen und Verbesserungen einzuarbeiten. „Das Ergebnis ist Österreichs erste umfassende E-Health-Lösung, bei der tatsächlich der Patient im Mittelpunkt steht. Sie ist anwenderfreundlich, verlässlich und datengeschützt“, fasst Krammer zusammen. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen: 70 Prozent der Testpersonen würden die Lösung weiterempfehlen.

Die Bedienung ist in der Tat bestechend einfach: Über das Handy können Patienten mit Diabetes oder Bluthochdruck ihre Blutzucker- oder Blutdruckwerte automatisch an die healthe-Plattform übermitteln. Befindet sich der User in einem Gebiet ohne Netzempfang, so werden die Daten bis zu drei Tagen gespeichert und dann übertragen, wenn wieder eine Verbindung besteht. Auf die Daten haben nur die vom jeweiligen Anwender autorisierten Personen Zugriff. Der Patient erspart sich damit die manuelle Dokumentation der Werte oder mehrmalige Arztbesuche zum Austausch der Daten und zur Verlaufskontrolle. Der behandelnde Arzt erhält jederzeit auf Knopfdruck eine lückenlose Dokumentation und übersichtlich aufbereitete Information über die Entwicklung der Vitalwerte.

Bei einer Handy-Penetration von 137 Prozent besitzt praktisch jeder Österreicher heute ein Handy, jeder zweite sogar schon zwei – unabhängig von Alter und sozialer Herkunft. „Der Einsatz des Handys erfüllt damit die wichtigsten Kriterien für einen sinnvollen Fortschritt im Gesundheitswesen: Jeder hat Zugang, niemand ist ausgeschlossen und man hat es immer dabei“, erklärt Krammer.

Automatische Erinnerung

Die Basis des neuen Service bildet das „healthe Gesundheitspaket“. Es inkludiert die Datenübertragung und Nutzung der medizinischen Plattform sowie den Zugang für bis zu fünf Betreuer, die der Patient nominieren kann, wie etwa den Hausarzt oder Angehörige. Die Kosten für die Nutzung liegen bei zehn Euro pro Monat. Zur Basisausstattung ist neben Messgeräten und einem Handy auch die einmalige Anschaffung eines Dongles, der die Verbindung ermöglicht, notwendig. Kostenpunkt: 39 Euro. Um zwei Euro monatlich bietet der Mobilfunker ein hilfreiches Zusatzangebot in Form des „healthe Benachrichtigungspakets“ an. „Damit wird automatisch ein SMS oder E-Mail verschickt, wenn etwa der Anwender nicht zur vereinbarten Zeit misst oder die Messwerte außerhalb der Norm liegen“, so Krammer. Die healthe-Pakete sind mit allen Orange-Tarifen kombinierbar und in allen Orange Shops erhältlich. Derzeit unterstützen nur manche Handys der Firma Nokia sowie einige Blutzucker- und Blutdruckmessgeräte die Anwendung. An einer Ausweitung der Kompatibilität der E-Health-Anwendung auch auf andere Hersteller wird gearbeitet. Ebenso gibt es Gespräche zur Kostenübernahme durch die Kassen, Ergebnisse sind hier jedoch noch nicht absehbar.

Hotline und Einschulung

Pflegefachleute des Arbeiter-Samariter-Bunds Österreichs (ASBÖ) haben „healthe“ während der Testphase eingehend geprüft. Im Echtbetrieb betreibt der ASBÖ die healthe-Hotline und wird Patienten sowie Pflegepersonen beraten und im Umgang mit der telemedizinischen Lösung einschulen. „Heute gehören Unabhängigkeit und Mobilität zur Lebensqualität, insbesondere für chronisch kranke Menschen. healthe schafft den Spagat zwischen regelmäßiger Messung, genauer Aufzeichnung und Dokumentation sowie der Unabhängigkeit. Kurz gesagt, ein Daten- und Gesundheitsmanagement auf hohem Niveau. So wird der Patient zum aktiven Spieler im eigenen Gesundheitsteam, der mündige, eigenverantwortliche und kompetente Patient, von dem immer die Rede ist“, betont Franz Schnabl, Präsident des ASBÖ.

Ungenutzte Potenziale

Mobile Kommunikationslösungen bieten, wie das Beispiel „healthe“ zeigt, großes Potenzial für Verbesserungen im Gesundheitswesen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Anwendung einfach und wirtschaftlich tragbar ist. So muss es gewährleistet sein, dass jeder Patient bei einfachster Handhabung die volle Kontrolle über seine Vitalwerte erhält. Chronisch kranke Menschen sind mitunter „ältere Semester“ und haben deshalb auch Berührungsängste gegenüber neuen Technologien. Umso mehr muss die Benutzerfreundlichkeit im Vordergrund stehen.

Der healthe-Projektpartner Alcatel-Lucent arbeitet weltweit an der Entwicklung innovativer Anwendungen im Bereich von E-Health und baut Netzwerke – im technischen und im sozialen Sinn. „Mit unseren Lösungen und dem dahinterstehenden praxiserprobten Know-how wird unter anderem auch mehr Zeit für die Patientenbetreuung und die betriebliche Leistungsfähigkeit der Gesundheitsdienstleister gewonnen. Damit schaffen wir eine klare Win-win-Situation für alle Beteiligten“, ist Harald Himmer, Generaldirektor von Alcatel-Lucent in Österreich überzeugt. healthe ist eine Weiterentwicklung der „Alcatel-Lucent TeleHealthManager“-Applikation, die in Kanada bereits im kommerziellen Einsatz ist. Orange und Alcatel wollen die Erfahrungen aus dem österreichischen Pionierprojekt nun auch in anderen Ländern nützen. Weiterentwicklungen für EKG und Spirometrie sind ebenso angedacht wie Lösungen in Richtung Prävention, so etwa eine Ernährungsberatung oder für Fitness.

Von Mag. Renate Haiden, Ärzte Woche 26 /2010

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