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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel. Sie ist Medizinerin und Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 1. Juni 2010

News aus Brüssel

Neue Zahlen zum Risiko Alkoholkonsum

Eine neue Eurobarometer-Studie ergab interessante Daten: Auf der Plusseite befürwortet eine Mehrheit anti-alkoholische Maßnahmen. Doch sind andrerseits exzessives Rauschtrinken und angetrunkene Autofahrer immer noch ein Problem, und viele Europäer – auch viele Österreicher – sind noch nicht ausreichend über die gesundheitlichen Folgen aufgeklärt.

Die Befragung von 27.000 Teilnehmern ergab, dass 89 Prozent der Europäer die Forderung unterstützen, alkoholische Getränke nur an über 18-Jährige auszuschenken beziehungsweise zu verkaufen. Eine starke Befürwortung gibt es auch für Aktionen gegen Trinken beim Autofahren, wie etwa stichprobenartige Überprüfungen der Fahrer durch die Polizei (83 Prozent dafür) und niedrigere gesetzliche Blutalkoholwerte für jüngere Autofahrer (73 Prozent dafür).

Österreich: Problem Binge drinking

Andrerseits haben die meisten EU-Staaten immer noch ein Problem mit „Binge drinking“ (exzessives Rauschtrinken, definiert als mehr als fünf alkoholische Getränke hintereinander). Hier zeigen die Daten – wenig überraschend –, dass vor allem die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen betroffen ist. Die Prävalenz häufigen Rauschtrinkens ist am höchsten in Irland (44 Prozent), gefolgt von Rumänien (39 Prozent) und Österreich und Deutschland (vereint am 3. Platz mit je 36 Prozent). Generell ist der Prozentsatz an Trinkern in Dänemark am höchsten (93 Prozent der Befragten gaben an, Alkohol zu konsumieren), gefolgt von Schweden (90 Prozent) und den Niederlanden (88 Prozent). Die wenigsten Alkoholtrinker leben laut dieser Studie in Portugal (58 Prozent), Italien (60 Prozent) und Ungarn (64 Prozent).

Was das ewige Problem „drink and drive“ angeht, gibt es auch hier nur wenig Grund zum Optimismus. Zwar befindet die Mehrheit der Europäer, dass das alkoholisierte Autofahren ein Risiko darstellt. Aber immerhin noch 14 Prozent der Befragten würden sich auch dann ans Steuer setzen, wenn sie mehr als zwei alkoholische Getränke innerhalb von zwei Stunden zu sich genommen hätten – eine Menge, die in den meisten europäischen Ländern zu einer Überschreitung des gesetzlich erlaubten Wertes führen würde. Die Anhänger dieser Einstellung leben vor allem in Zypern (38 Prozent), Luxemburg, Belgien und Frankreich (ähnliche Zahlen).

Risiko Alkoholkonsum: Vogel-Strauß-Verhalten?

Generell sind sich die meisten Bürger Europas der Risiken des Alkoholkonsums durchaus bewusst. Allerdings gehen die meisten – EU-weit 97 Prozent – lediglich von einem Zusammenhang mit „Lebererkrankungen“ aus. Bei anderen Erkrankungen ist das Wissen noch ausbaufähig:

  • 21 Prozent glauben nicht, dass zwischen Alkohol und Krebserkrankungen eine Assoziation besteht.
  • Der Aussage „regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht das Depressionsrisiko“ stimmen 92 Prozent der Iren, aber nur 78 Prozent der Österreicher zu (die niedrigste Rate).
  • 93 Prozent der Esten und Litauer stimmen zu, dass Alkoholkonsum das Risiko kardialer Erkrankungen steigert, jedoch nur 71 Prozent der Österreicher und Niederländer (wiederum der niedrigste Wert).
  • Und immerhin fast 10 Prozent der Europäer glauben nicht, dass Trinken das Risiko von Geburtsfehlern erhöht; fünf bis acht Prozent geben an, es nicht zu wissen.

Übrigens: Auch wenn das Wort „Alkoholkonsum“ üblicherweise das Bild betrunkener Jugendliche hervorruft, sollte auch das Problem des Trinkens bei Älteren nicht ignoriert werden: Angehörige der Altersgruppe 55 und älter weisen nämlich eine sehr viel höhere Wahrscheinlichkeit als jüngere Menschen auf, täglich zu trinken.

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