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Gesundheitspolitik 1. Juni 2010

Mehr Verwaltung, weniger Zeit für Patienten

Ärzte sind mit ihrer beruflichen Tätigkeit eigentlich überdurchschnittlich zufrieden, beklagen aber gleichzeitig deren institutionelle Rahmenbedingungen. Die Ärztekammer sieht sich in ihren Forderungen an Politik und Spitalsträger bestätigt.

Die Grundeinstellung der Spitalsärzte zu ihrer ärztlichen Tätigkeit ist nach wie vor sehr positiv. Zu diesem erfreulichen Ergebnis kommt eine unter 2.000 Spitalsärzten durchgeführte repräsentative IFES-Studie, die kürzlich von der Österreichischen Ärztekammer publiziert wurde.

Grundsätzlich zufrieden

Laut IFES-Experten und Projektleiter Georg Michenthaler empfinden Ärzte ihre Tätigkeit in einem viel höheren Maße als erfüllend als die meisten anderen Berufsgruppen. So sind zwei Drittel der Befragten mit Art und Inhalt der Tätigkeit grundsätzlich sehr oder eher zufrieden, nur zehn Prozent unzufrieden. Die Studie beleuchtet aber auch weit weniger positive Seiten. Bezüglich der Rahmenbedingungen, der Arbeitszeiten, der individuellen Arbeitssituation, des steigenden Verwaltungsdrucks und der empfundenen Arbeitsbelastung bringt die Studie alarmierende Ergebnisse.

Zentrale Kritikpunkte

Die Daten sind zum Teil noch schlechter als bei vergleichbaren Studien 2003 und 2006. Kurz zusammengefasst lauten die zentralen Kritikpunkte: Noch immer wenden Spitalsärzte einen Großteil ihrer Zeit für Administration und Dokumentation auf, die Patientenzahlen und damit die Arbeitsbelastung steigen stetig – auch in der Nacht. Die Unzufriedenheit der Spitalsärzte mit der individuellen Arbeitssituation nimmt kontinuierlich zu. Die höchste Belastung erleben Spitalsärzte dabei durch Verwaltungsaufgaben und Patientendokumentation (49 Prozent der Befragten), gefolgt von Zeitdruck (37 Prozent), Nachtdiensten (36 Prozent), Überstunden und langen Diensten (34 Prozent) sowie von Patientenaufnahmedruck beziehungsweise Überbelag (31 Prozent).

 

 Dr. Harald Mayer  Dr. Wilhelm Marhold Prof. Dr. Petra Kohlberger 

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Dramatische Zunahme der Arbeitsintensität"
In den letzten Jahren ist es zu einer deutlichen Arbeitsverdichtung gekommen.
Dr. Harald Mayer Österreichische Ärztekammer, Bundeskurienobmann der Angestellten Ärzte
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Standpunkt 2
"Beispielhafte Programme zeigen: „Wien ist anders“"
Die Auswahl der Methode ist zu hinterfragen, da Uni-Kliniken und Krankenanstalten vermischt werden.
Dr. Wilhelm Marhold Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV)
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Standpunkt 3
"Neue Dienstzeitmodelle gewährleisten die Versorgungssicherheit"
Offen für neue Arbeitszeitmodelle, um ältere, erfahrene Ärzte im Spital halten zu können.
Prof. Dr. Petra Kohlberger Medizinvorstand der KAGes, der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft m.b.H.
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Von Mag. Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 22 /2010

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