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Foto: ©iStockphoto.com/kryczka
 
Gesundheitspolitik 25. Mai 2010

Wenn das Risiko klingelt

Eine internationale Studie suchte nach einer wissenschaftlich eindeutigen Antwort auf die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonie und erhöhtem Tumorrisiko gibt. Die Forscher wurden nicht fündig und wollen nun weitersuchen.

Die Interphone-Studie ist die größte Studie, die jemals zur Frage eines möglichen Zusammenhangs zwischen Handynutzung und dem Risiko, an einem Tumor im Kopfbereich zu erkranken, gemacht wurde. Die Forschungsarbeit wurde in 13 Ländern durchgeführt und von der WHO koordiniert. Vor wenigen Tagen wurden nun die Ergebnisse veröffentlicht. Fazit: Es besteht kein Zusammenhang zwischen der Handynutzung und Hirntumoren – sagen diejenigen, die schon seit Jahren in eine ähnliche Richtung argumentieren, wie natürlich die Telekommunikationsindustrie, aber auch etwa der Wissenschaftliche Beirat Funk, ein unabhängiges Expertengremium des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, das laut eigenen Angaben 129 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema gesichtet und bewertet hat. Die neue Studie kann nicht ausschließen, dass eine Gefährdung vorliegt, und schlägt eindringlich vor, weitere Beobachtungen und Folgestudien zu initiieren – sagt die kritische „Gegenseite“, darunter große Teile der Ärzteschaft, Bürgerforen, Vereine und private Initiativen. Für sie sind die unklare Aussage und die umstrittenen Rahmenbedingungen – die Studie wurde zum Teil mit Geldern der Mobilfunkindustrie finanziert – nur ein weiterer Beleg für die Gesundheitsgefährdung durch die Mobiltelefonie. Die 21 beteiligten Forscher mussten jedenfalls insgesamt einräumen, dass ihre Untersuchung eine klare Antwort schuldig bleibt. Und solange diese nicht vorliegt und wissenschaftlich eindeutig abgesichert ist, wird der verbale Schlagabtausch wohl weitergehen.

Standpunkt 1
"Keine Entwarnung durch Interphone-Studie."
Ein erhöhtes Risiko für bösartige Gehirntumore bei längerem Handytelefonieren wurde gefunden
OA DI Dr. Hans-Peter Hutter, Institut für Umwelthygiene an der MedUni Wien, Vorsitzender und Sprecher des Vereins ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt
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Standpunkt 2
"Fakten statt Mythen sprechen lassen."
Grenzwerte und wissenschaftlicher Kenntnisstand werden durch Expertengruppen regelmäßig überprüft
Mag. Maximilian Maier, Geschäftsführer des Forum Mobilkommunikation - freiwillige Interessensvertretung der Mobilfunkbranche in Österreich
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Standpunkt 3
"Festnetz oder Kabel-Internet hält Belastung gering."
Intensive Handynutzer tragen ein fast doppelt so hohes Gliom-Risiko wie mäßige User
Eva Maršálek, Plattform Mobilfunk-Initiativen - PMI
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Von Mag. Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 21 /2010

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