zur Navigation zum Inhalt
Foto: Privat
Prof. Dr. Walter Pieringer Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin (ÖGPPM)
 
Gesundheitspolitik 8. Jänner 2009

Integrierte Psychotherapie und Psychosomatik forcieren

Ungefähr 20 bis 40 Prozent derjenigen, die eine ärztliche Praxis aufsuchen, bedürften einer psychosomatisch/psychotherapeutischen Betreuung, überwiegend im Sinn einer integrierten Kurztherapie. Typische Beispiele sind: Hochdruckerkrankungen, entzündliche Darmerkrankungen, Schmerzerkrankungen, Tinnitus, Neurodermitis, Burn out oder psychotraumatische Erkrankungen. Wenn keine psychotherapeutische Betreuung stattfindet, ist die Chronifizierung und Progredienz hochwahrscheinlich. Es gibt immer mehr Ärzte, die auch das Psy3-Diplom absolviert haben, das der psychotherapeutischen Ausbildung entspricht. Schon beim ärztlichen Erstgespräch sollte auch eine psychotherapeutische und psychosomatische Abklärung erfolgen – dies müsste durch Rahmenbedingungen wie eine entsprechende Honorierung gefördert werden. Auch in der nachfolgenden Behandlung geht es um ein Miteinander mit der pharmakologischen Medizin. Es stimmt: Immer wieder werden zu viele Psychopharmaka verschrieben. Generell geht es darum, Krankheit nicht als „Defekt“ zu sehen, der möglichst schnell zu entfernen ist, sondern der auch eine Chance auf Entwicklung sowie die Notwendigkeit einer Neuorientierung bringt. Insofern ist es wichtig, dass die „Absicherungsmedizin“ sowie der psychotherapeutische und psychosomatische Ansatz in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Das gilt auch für die Honorierung: eine Harnstreifenuntersuchung bringt momentan 14, das ärztliche Gespräch 20 Euro. Im „Netzwerk Psychosomatik Österreich“, an dem sich auch der ÖBVP beteiligt, geht es etwa darum, den integrativen Ansatz in der Medizin sowie das verstärkte Miteinander von Ärzten und Psychotherapeuten zu fördern. Sicher zu fordern ist, dass in Österreich mehr in die psychotherapeutische Betreuung investiert wird sowie die Rahmenbedingungen zum Zugang vereinfacht und vereinheitlicht werden. Statt unnötiger Hilfsuntersuchungen und Medikalisierung ist eine deutlich stärker personenorientierte Gesundheitsförderung wichtig.

Lesen Sie das Thema dieser Standpunkte:

Kommt die Psyche zu kurz? Ob und wie der Zugang zur Psychotherapie erleichtert werden soll, ist immer noch umstritten.

Lesen Sie zum Thema weitere Standpunkte:

Mehr Menschen Zugang zur Psychotherapie ermöglichen

Honorarforderungen nicht auf dem Rücken der Patienten austragen

Foto: Privat

Prof. Dr. Walter Pieringer Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin (ÖGPPM)

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben