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Dr. Eva Mückstein Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP)
 
Gesundheitspolitik 8. Jänner 2009

Mehr Menschen Zugang zur Psychotherapie ermöglichen

Fakt ist, dass zu viele Menschen keinen adäquaten Zugang zur Psychotherapie haben. Es gibt zwar in einigen Bundesländern ein Angebot an kostenloser Psychotherapie. Die Kontingente sind aber oft schon zur Jahresmitte ausgeschöpft. Sich auf Wartelisten setzen zu lassen, wirkt sich oft sehr negativ auf die Motivation aus, Psychotherapie überhaupt in Anspruch zu nehmen. Die Zahl jener, die eine Psychotherapie in Anspruch nehmen, stagniert, weil sich viele unter diesen Bedingungen Psychotherapie nicht leisten können – obwohl immer mehr Menschen mit psychischen Problemen zu tun haben, wie internationale Daten zeigen. Laut aktuellen Erhebungen des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger ist der Konsum von Psychopharmaka in den letzten Jahren erheblich angestiegen, sogar bei Kindern bis acht Jahren. Psychotherapie hat einen sofortigen und einen langfristigen Effekt – es werden Chronifizierungen und körperliche Folgeerkrankungen verhindert oder abgeschwächt. Wir brauchen eine 80-prozentige Refundierung für alle Psychotherapie-Patienten und -Patientinnen und „Psychotherapie auf Krankenschein“ für die schwerer Beeinträchtigten. Es würde nur etwa 40 Millionen Euro im Jahr mehr kosten, damit 30.000 weitere Menschen Psychotherapie in Anspruch nehmen können – das wäre ein erster wichtiger Ausbauschritt, der insgesamt etwa einem Prozent der Bevölkerung zugute kommen würde. Der Bedarf liegt statistisch gesehen zwischen zwei und fünf Prozent. Die Mittel für diese Maßnahmen müssten vom Bund kommen. Insgesamt wären dies nur 0,5 Prozent der Gesundheitsausgaben – in Deutschland wird 20-mal so viel für Psychotherapie ausgegeben. Ich wünsche mir außerdem eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Ärzten. Auf regionaler Ebene funktioniert diese oft sehr gut. Es braucht aber auch ein gemeinsames Entwickeln und Umsätzen von Plänen und keine Auseinandersetzungen darüber, wem wie viel des „Kuchens“ zusteht.

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Dr. Eva Mückstein Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP)

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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