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Gesundheitspolitik 19. Mai 2010

Zeit zu handeln

Obwohl weltweit mehr als 50 Prozent der Studienanfänger der Medizin weiblich sind, ist der Anteil der Frauen in der akademischn Führungsebene wie auch bei medizinisch-wissenschaftlichen Publikationen noch immer sehr gering.

Medizin ist ein akademischer Fachbereich, in dem nach wie vor ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen herrscht. Weltweit sind mehr als die Hälfte aller Medizinstudenten weiblich, jedoch erreicht nur ein kleiner Prozentsatz später eine Führungsposition. Die vorliegende Arbeit analysiert, wie diese Situation in einer allgemein-medizinisch-wissenschaftlichen Fachzeitschrift, der Wiener Klinischen Wochenschrift, reflektiert wird.

 

Im Beobachtungszeitraum wurden 2.507 Manuskripte zur Publikation eingereicht, davon waren 26 Prozent weibliche Erstautoren. Dieser Prozentsatz stieg kontinuierlich bis 2007 auf 32 Prozent an und blieb in der Folge konstant. Der Anteil an Arbeiten, die von Frauen zur Publikation eingereicht waren, war stark vom medizinischen Sonderfach abhängig: so betrug er 48 Prozent bei pädiatrischen Manuskripten, aber nur 12 Prozent bei kardiologischen Arbeiten. Der Anteil an zur Publikation angenommenen Arbeiten war bei männlichen und weiblichen Erstautoren gleich.

Frauen häufiger abgelehnt

Es gab jedoch einen größeren Anteil von sofort abgelehnten Manuskripten mit einer weiblichen Erstautorin als mit einem männlichen Erstautor (21 Prozent versus 16 Prozent). Manuskripte mit einer weiblichen Erstautorin nannten häufiger einen anderen korrespondierenden Autor als Manuskripte mit einem männlichen Erstautor. Mehr als 40 Prozent aller eingereichten Originalarbeiten wiesen eine Frau als Autorin auf, allerdings nur 10 Prozent der Editorials.

Nur elf Prozent der Gutachter weiblich

Während der letzten 5 Jahre waren nur 11Prozent der Gutachter Frauen, die Qualität der Gutachten war aber generell höher. Unter den 21 Mitgliedern des Editorial Boards ist nur eine einzige Frau.

Zusammenfassung

Zwischen 2001 und 2007 stieg der Anteil an Manuskripten, die von Frauen eingereicht wurden, konstant an und beträgt derzeit ca. 30 Prozent, in einzelnen Fachbereichen wie Kinderheilkunde bis zu 50 Prozent. Nichtsdestotrotz liegt nach wie vor eine massive Ungleichstellung zwischen männlichen und weiblichen Autoren vor: Übersichtsarbeiten sowie eingeladene Editorials sind selten von Frauen verfasst, ein sehr niedriger Anteil an Manuskripten wird von Frauen begutachtet, wobei von Frauen erstellte Gutachten meist besser sind. Nur ein Mitglied des Editorial Board ist eine Frau.

Dies widerspiegelt die generelle Situation in der akademischen Medizin. Medizinisch-wissenschaftliche Zeitschriften müssen aktiv dazu beitragen, diese Ungleichheiten zu beseitigen.

Correspondence: Dr. Christiane Druml, Ethics Committee of the Medical University of Vienna, Borschkegasse 8b/E06, 1090 Vienna, Austria, E-mail:

* AH works as an editorial assistant for Wiener klinische Wochenschrift.

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist nachzulesen in der Wiener Klinische Wochenschrift 5-6/2010.

© Springer-Verlag, Wien

Methodik der Untersuchung
Alle Manuskripte, die in dem Zeitraum zwischen Jänner 2001 und September 2009 bei der Wiener Klinischen Wochenschrift zur Publikation eingereicht waren, wurden in die Untersuchung einbezogen. Folgende Gesichtspunkte wurden analysiert: Erstautorenschaft von Frauen in Bezug auf:
• eingereichte sowie angenommene Manuskripte
• eingeladene Manuskripte
• Art der Publikation
• medizinisches Fachgebiet der Manuskripte
• Prozentsatz an eingeladenen Gutachtern
• Qualität der Gutachten
Gender-Aspekt nach Fachbereich
Medizinisches FachgebietManuskripte weiblicher Erstautoren (%)
Kardiologie 12
Chirurgie 20
Gynäkologie 29
Mikrobiologie 38
Psychiatrie und Psychologie 40
Pädiatrie 49

Von Dr. Christiane Druml und Mag. Andrea Heckenberg, Ärzte Woche 20 /2010

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