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Gesundheitspolitik 23. Mai 2010

Interessen offen legen

Mit welchen Methoden die Pharmaindustrie medizinische Fachgesellschaften beeinflusst, wird kritisch diskutiert – wirkt Transparenz beruhigend?

Eine gute Zusammenarbeit der Fachgesellschaften mit der Pharmaindustrie ist Voraussetzung für die Entwicklung innovativer Therapiekonzepte, darüber sind sich Ärzte und Industrievertreter gleichermaßen einig. Ebenso aber wissen beide Seiten, dass innerhalb dieser Zusammenarbeit eine Reihe von Interessenkonflikten droht, vornehmlich bei Publikationen von Studien, in der Fort- und Weiterbildung sowie bei der Leitlinienentwicklung.

In Deutschland hat daher die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften erst vor wenigen Tagen Leitlinien zum Umgang mit Interessenkonflikten bei Fachgesellschaften verabschiedet. Sie verlangen die Offenlegung aller Interessenskonflikte nach vier Grundsatzprinzipien: Das Trennungsprinzip besagt, dass sowohl entgeltliche als auch unentgeltliche Zuwendungen unabhängig von Entscheidungen bzw. Geschäften sein müssen. Laut Transparenzprinzip muss jede Zuwendung offengelegt, schriftlich fixiert und genehmigt werden.

Das Äquivalenzprinzip steht für ein angemessenes Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung, das Dokumentationsprinzip schließlich fordert eine detaillierte schriftliche Vereinbarung aller Leistungen. Darüber hinaus gibt die Vereinbarung klare Verhaltensempfehlungen bezüglich Publikationen, Kongressen, Sponsoring und Leitlinienentwicklung. Die neuen Regeln sollen dazu beitragen, „neben dem professionellen Eigenanspruch den gesetzlichen Vorgaben zu genügen und so für alle Beteiligten im Sinne des Wohles unserer Patienten eine bestmögliche Sicherheit zu schaffen“.

 Grisold Rumler  Müller 

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Die Erstellung von Leitlinien ist insgesamt fraglich."
Eine Richtlinie, welche die Interessen der Industrie vermittelt, halte ich aufrund der Entwicklung
für nicht mehr möglich.
Prim. Prof. Dr. Wolfgang Grisold Österreichische neurologische Gesellschaft, Neurologische Abteilung KFJ, Past President UEMS-Section Neurology, World Federation of Neurology (Trustee)
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Standpunkt 2
"Freiwillige Selbstregulierung ist beispielgebend."
Ich begrüße jede Maßnahme zur Erhöhung der Transparenz, weil das vertrauensbildend für die Öffentlichkeit ist.
Dr. Robin Rumler Pfizer Austria, Präsident der Pharmig, des Branchenverbandes der Pharmaindustrie
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Standpunkt 3
"Internationale Standards gelten als Vorgabe."
Wir fordern alle Fachgesellschaften auf, Verfahren zum Umgang mit Interessenskonflikten einzuführen und anzuwenden.
Wolfgang Müller M.A. Leiter der Geschäftsstelle der AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V., Düsseldorf
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Von Mag. Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 20 /2010

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