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Gesundheitspolitik 5. Mai 2010

Gesunde Lösungen mit einheitlichen Standards

Das Gesundheitswesen hat die Vorteile einer „gemeinsamen Sprache“ für den Fluss von Daten, Waren und Leistungen erkannt und arbeitet an einer einheitlichen Lösung. Vorbild ist der Handel, wo es einheitliche Standards für  den Waren- und Datenfluss bereits seit mehr als 30 Jahren gibt. Ein etabliertes Instrument, um die Abwicklung von Organisation und Administration rascher, einfacher und vor allem fehlerfreier zu machen.

 

Spätestens seit E-Health zum Schlagwort für eine Neuorganisation der administrativen Prozesse im Gesundheitswesen geworden ist, beginnt sich die Branche vom Handel abzuschauen, was dort bereits seit rund 30 Jahren als etabliertes Kommunikationsinstrument eingesetzt wird: Der Barcode verbindet alle Partner entlang der Wertschöpfungskette, vom Hersteller bis zum Endverbraucher, durch eine eindeutige Identifikation. Hinter den schwarzen Strichen auf weißem Grund steckt demnach mehr als nur ein Muster, das an der Supermarktkassa mit dem vertrauten „Piep“ für kurze Wartezeiten und rasche Preiserkennung sorgt.

Standards erleichtern die Kommunikation

Standards sind etablierte, verbindliche Richtlinien, die dafür sorgen, dass unterschiedliche Geschäftspartner miteinander kompatibel und interoperabel sind. Bekannt sind Standards aus vielen Branchen, von der industriellen Fertigung bis hin zur Buchhaltung. Auch die Medizin kennt Standards, die den jeweils aktuellen Erkenntnisstand unter Berücksichtigung der praktischen Erfahrung sowie der professionellen Akzeptanz widergeben. Diese Standards legen einen Maßstab für Behandlungsabläufe fest, auf den sowohl Berufsrecht als auch Straf- und Sozialrecht im Anlassfall Bezug nehmen können. Im Laborbereich sind „Logical Observation Identifiers Names and Codes“ (LOINC) ein international anerkanntes System zur eindeutigen Kennzeichnung von klinischen Untersuchungen, Laborwerten, medizinischen Dokumententypen und anderen medizinischen Parametern.

Standards senken Kosten

Unternehmens- und länderübergreifende, weltweit gültige Standards für die Identifikation von Artikeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind eine wichtige Grundlage jeder erfolgreichen Geschäftsbeziehung. Das gilt auch für das Gesundheitswesen, wo die Schere zwischen Kostensenkungen und steigenden Anforderungen sowie der hohen Patientensicherheit nicht immer einfach zu schließen ist. Gerade der zunehmende ökonomische Druck erfordert bei den Beteiligten in der Versorgungskette von der Industrie über den Großhandel bis zu den Apotheken abgestimmte Maßnahmen. Ein möglicher und nach wie vor nicht ausreichend ausgeschöpfter Weg ist die Optimierung sämtlicher logistischer und administrativer Beziehungen. „Dafür ist eine einheitliche Sprache auf der Basis gemeinsamer Identifikations-, Kommunikations- und Prozessstandards notwendig“, weiß Mag. Barbara Dorner, Business Development Manager Healthcare bei GS1 Austria. Das Ergebnis sind durchaus attraktive Anwendungen: So wird beispielsweise die Rückverfolgbarkeit erleichtert, eine gezielte Chargendokumentation möglich und die Fälschungssicherheit erhöht.Ein Alleingang von Österreich ist hier aber nicht möglich, denn diese Anwendungen enden nicht an Landesgrenzen. Daher bemüht sich unter anderem die internationale Standardisierungsorganisation GS1 auf nationaler und internationaler Ebene um eine Zusammenarbeit der wichtigsten Key-Player im Gesundheitswesen zur Entwicklung und effektiven Nutzung dieser globalen Standards.

Standards sorgen für Sicherheit

Seit etwa fünf Jahren ist das Gesundheitswesen ein zentrales Thema der Standardisierungsbemühungen bei GS1. Vorschläge werden in nationalen Healthcare-Gruppen innerhalb von GS1 erarbeitet und abgestimmt. Eines der Kernthemen ist die Patientensicherheit, allen voran das Vermeiden von Fehlern bei der Verabreichung von Arzneimitteln oder bei der Anwendung von Medizinprodukten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der Produktfälschungen und der Prozessoptimierung. Ein globaler Standard zur Produktkennzeichnung für rund 90% aller Arzneimittel und Medizinprodukte wurde im Vorjahr verabschiedet. Beschleunigt wurde diese Entwicklung durch die unterschiedlichen Maßnahmen auf Regierungsebene im Hinblick auf die Rückverfolgbarkeit von Arzneimitteln.

Standards erfordern Zusammenarbeit

GS1 ist eine von mehreren Standardisierungsorganisationen, die das Ziel verfolgen, für das Gesundheitswesen passende Standards zu entwickeln. Um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden und Ergebnisse rasch in internationale Richtlinien zu integrieren, wurde in Wien daher vor rund einem Jahr ein „Memorandum of Understanding“ unterzeichnet, das eine Zusammenarbeit der wesentlichen Organisationen auf diesem Sektor festlegt. Das Memorandum haben das Komitee 238 Medizinische Informatik des Austrian Standards Institute, HL7 Anwendergruppe Österreich, IHE Austria (Verein zur Förderung der Integration der IT- und Medizintechnik im österreichischen Gesundheitswesen), GS1 Austria GmbH und ProRec Austria-eHealth Medizininformatik unterzeichnet. Ein wichtiger Schritt, wenn „Gemeinsamkeit“ das übergeordnete Ziel einer Standardentwicklung ist. „Überschneidungen bestehender Standards verursachen bei den Anwendern immer wieder Probleme in der praktischen Umsetzung. Die bessere Abstimmung der wesentlichen Marktpartner verbessert auch die Qualität, Anwendung und Durchsetzung der Standards“, ist Dorner überzeugt. Durch eine bessere Ausrichtung bei der gemeinsamen Entwicklung können darüber hinaus auch Kosten gesenkt und langwierige Harmonisierungsprozesse parallel entwickelter Standards vermieden werden.

Zu hoffen bleibt, dass im Gesundheitsbereich bald so selbstverständlich mit dieser Technologie umgegangen wird wie im Handel. Wichtig ist, dass sich auch Ärzte und Pflegepersonal aktiv in die Entwicklung einbringen, damit nicht an der Praxis der Anwender vorbeigearbeitet wird.

Von Mag. Renate Haiden, Ärzte Woche 18 /2010

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