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Foto: Peter Schenk / PIXELIO
Im Rahmen des neuen Zentrums sollen elf Universitätskliniken, vier Institute der Medizinuniversität Wien sowie weitere externe Einrichtungen koordiniert zusammenarbeiten.
 
Gesundheitspolitik 5. Mai 2010

Gemeinsam für eine bessere Versorgung

Mit dem neuen Comprehensive Cancer Center entsteht in Wien ein nationaler Kristallisationspunkt für Krebsforschung, Therapie und Lehre nach US-amerikanischem Vorbild. Ministerium, Medizinuniversität und AKH loben die hervorragende Zusammenarbeit bei der Projektplanung und -vorbereitung. Das Wiener Zentrum macht den Anfang, weitere sollen folgen.

„Wir haben in den letzten Monaten gemeinsam exzellente Vorarbeit geleistet und sind ‚ready to go‘“, freut sich Prof. Dr. Christoph Zielinski, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin I am AKH und Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie, über den aktuellen Stand beim neuen interdisziplinären Krebszentrum. In drei Monaten soll das Comprehensive Cancer Center operativ sein.

Zielinski arbeitet als Koordinator seit Beginn des Jahres mit einem hochkarätigen Team an der Umsetzung des Projekts. Dem Team gehören unter anderem die Krebsforscherin Prof. Dr. Maria Sibilia, Prof. Dr. Michael Gnant von der Chirurgischen Universitätsklinik Wien sowie der Strahlenmediziner Prof. Dr. Richard Pötter an.

Die wesentliche Neuerung im Projekt sei der interdisziplinäre Ansatz, sagt Zielinski: „Wir betreuen allein an der Universitätsklinik für Innere Medizin I pro Jahr rund 17.000 Krebspatienten. Im Rahmen des neuen Zentrums sollen aber elf Universitätskliniken, drei bis vier Institute der Medizinuniversität Wien sowie weitere externe Einrichtungen koordiniert vorgehen.“ Das Zentrum für Molekulare Medizin wird ebenso integriert wie das Krebsforschungsinstitut. Verbindungen soll es auch zu anderen Instituten, etwa der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft, geben.

Die Hauptaufgaben des neuen Krebszentrums sind nach Angaben des Experten „die Zusammenfassung der Arbeiten der onkologisch tätigen klinischen Abteilungen, die Etablierung von Standard Operating Procedures für die Betreuung von Patienten sowie die Koordination von Lehre und Forschung auf dem Gebiet von Krebs.“ Das neue Vorzeigeprojekt der Wiener Medizin ist die konsequente Weiterentwicklung eines internationalen Trends, der die interdisziplinäre gegenüber einer monodisziplinären Versorgung verstärkt in den Vordergrund rückt. Das Zentrum greife direkt auf das Vorbild eines Projektes in den USA zurück, erläutert Zielinski: „Die Guideline des U.S. National Cancer Institutes zur Gründung von Comprehensive Cancer Centers in den USA stammt aus dem Jahr 2008. Unsere Bemühungen haben bereits 2009 eingesetzt und orientieren sich stark an dieser Guideline. Damit wird es uns gelingen, Patientenversorgung, Forschung und Lehre an der Medizinuniversität und am AKH bestmöglich zu koordinieren. Somit sind wir schon in einer sehr frühen Phase internationaler Entwicklungen Teil dieses neuen Konzeptes geworden.“

Ministerielle Unterstützung

Der Projektkoordinator hebt besonders die gute Zusammenarbeit mit den politischen Stellen und Behörden hervor: „Wir haben viel Unterstützung vom Wissenschaftsministerium bekommen, wobei der Bericht des Wissenschaftsrats sicher viel zur Bewusstseinsbildung der Notwendigkeit einer solchen Koordination beigetragen hat.“ Zielinski widerspricht aber medialen Gerüchten, wonach dieser Bericht das Projekt erst in Bewegung gebracht hätte: „Überlegungen in die Richtung gab es schon davor. Ich denke da etwa an ‚CLEXO – Center of Excellence in Clinical and Experimental Oncology‘, eine schon vor vielen Jahren entstandene Initiative unter der damaligen Bundesministerin Gehrer, die 150 erstklassige wissenschaftliche Publikationen auf dem Gebiet der Onkologie von verschiedensten Institutionen gefördert hat. Das Comprehensive Cancer Center sehe ich als Weiterführung von CLEXO auf einer höheren Ebene und in höherem Umfang.“

Auch die aktuelle Wissenschaftsministerin Dr. Beatrix Karl stand von Anfang an hinter dem Projekt: „Ich habe mich bereits zu Beginn meiner Amtszeit klar für stärkere Kooperationen ausgesprochen und sehe in der Zusammenarbeit zwischen der Medizinischen Universität und dem Allgemeinen Krankenhaus Wien eine vorbildliche Arbeit mit zahlreichen positiven Synergieeffekten.“

Das Zentrum wurde in der Leistungsvereinbarung zwischen dem Wissenschaftsministerium und der Medizinischen Universität Wien als wesentliches Vorhaben verankert. Für die kommenden drei Jahre sind dafür seitens des BMWF rund vier Millionen Euro an Investitionen vorgesehen. Das Geld sollte gut investiert sein, denn die Zahl der Krebserkrankungen nimmt in Österreich kontinuierlich zu. Etwa 300.000 Österreicher leben heute mit Krebs, jährlich kommen 36.000 dazu.

Von Mag. Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 18 /2010

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