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Gesundheitspolitik 4. Mai 2010

Sensible Daten von Patienten besser schützen

Die Weitergabe von Ärzteinformationen bringt Apotheker, Pharmaindustrie und Behörden zunehmend unter Druck.

Bisher war es in Österreich üblich, den Vertrieb von Medikamenten an die Apotheken ausschließlich über Pharmagroßhändler zu organisieren. Bei dieser Distributionsform werden die Rezepte in der Apotheke elektronisch erfasst. Die Gehaltskasse der Österreichischen Apothekerkammer erledigt anschließend die Abrechnung mit den Krankenkassen. Bei diesem klassischen Weg des Arzneimittelvertriebes sind mehrere Sicherheitsmechanismen eingebaut, gleichzeitig erhält ausschließlich die Krankenkasse die Daten. Seit einiger Zeit werden aber vermehrt vor allem hochpreisige Arzneimittel – beispielsweise Biotech-Medikamente, die etwa bei Krebs- oder Rheumaerkrankungen benötigt werden – vom Hersteller mithilfe von Logistikpartnern direkt an die Apotheken geliefert – quasi nur mehr auf konkrete Bestellung. Dafür müssen die Apotheker die einzelnen Rezepte mit vollständigem Namen der Patienten und der verschreibenden Ärzte an die Logistiker faxen. Das bringt nicht nur kompliziertere Abläufe in den Apotheken selbst mit sich, sondern auch massive rechtliche Bedenken im Hinblick auf die Patientendaten. Die Vorgangsweise sei illegal und mit dem Datenschutz nicht vereinbar, argumentieren Ärzte- und Patientenvertreter. Sie sei notwendig, um einen Missbrauch zu verhindern, diene also letztendlich der Sicherheit der Patienten, entgegnen marktführende Pharmaproduzenten. Die Behörden sind nun aufgefordert, juristisch bedenkliche Entwicklungen zu stoppen und gleichzeitig für den Patienten sichere Lösungen anzubieten. Von Seiten des Ministeriums wurden „adäquate“ Maßnahmen angekündigt, konkretisieren lassen sich diese – auch auf Nachfrage im Ministerbüro - jedoch nicht.

Bachinger  Huber   stoeger

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Die Behörden sind am Zug und müssen schnell reagieren. "
Jede Umgehung des bestehenden rechtlichen Regelwerks zum Schutz der Patienten ist unzulässig.
Dr. Gerald Bachinger Sprecher der Patientenanwälte Österreichs
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Standpunkt 2
"Sonderregelung „kontrolliertes Distributionssystem."
Pharmaunternehmen und Logistikanbieter kooperieren im Interesse der Versorgungssicherheit.
Dr. Jan Oliver Huber Generalsekretär des Branchenverbandes der Pharma-Industrie Pharmig
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Standpunkt 3
"Gespräche haben einen breiten Konsens gebracht."
Dem Recht des Einzelnen auf Wahrung seiner Daten kommt große Bedeutung zu.
Alois Stöger Bundesminister für Gesundheit
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Von Mag. Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 18 /2010

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