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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel. Sie ist Medizinerin und Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 28. April 2010

News aus Brüssel

Übermäßiger Antibiotika-Gebrauch: Noch große Wissenslücken

„Besorgniserregende Trends in der Einstellung der Bevölkerung gegenüber Antibiotika“, konstatiert ein Bericht der EU-Gesundheitskommission, der am 9. April veröffentlicht wurde. Die Zahlen:

  • 40 % der Befragten erklärten, im vergangenen Jahr Antibiotika eingenommen zu haben; mehr als ein Drittel nahm sie gegen eine Virusinfektion wie eine Erkältung oder einen grippalen Infekt ein.
  • 95 % dieser Befragten erhielten die Antibiotika von einem Arzt verschrieben und/oder verabreicht.
  • 53 % der Befragten glauben, Antibiotika könnten Viren abtöten. Dieser Irrglaube ist vor allem in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen verbreitet.
  • Noch alarmierender: 62 % derjenigen, die diese Informationen erhielten, haben ihre Einstellung zu Antibiotika nicht geändert.

Allerdings sind die Nachrichten nicht nur schlecht. Der zweite Bericht – ein Fortschrittsbericht über die Empfehlung des EU-Rates zur umsichtigen Verwendung antimikrobieller Mittel aus dem Jahr 2002 – zeigte Fortschritte auf mehreren Gebieten auf:

  • So haben alle Bericht erstattenden Länder ein Überwachungssystem für die Resistenz gegen antimikrobielle Mittel eingeführt, und fast alle verfügen über einzelstaatliche Systeme für die Überwachung des Einsatzes und des Verbrauchs antimikrobieller Mittel.
  • Mehrere Länder haben das Thema der Antibiotikaresistenz in die schulischen Lehrpläne aufgenommen; einige haben Bewusstseinsbildungskampagnen eingeleitet.
  • Die sektorübergreifende Zusammenarbeit bei der Durchführung nationaler Strategien zur umsichtigen Verwendung antimikrobieller Mittel wird verstärkt (Beteiligung der Gesundheitsministerien, medizinischer Einrichtungen, des ambulanten und stationären Bereichs, Apotheken etc).
  • Und: Achtzehn Länder berichten, dass der rezeptfreie Verkauf von Antibiotika keine wesentliche Ursache für den Antibiotikamissbrauch gewesen sei.

„Der Missbrauch von Antibiotika untergräbt langfristig ihre Wirksamkeit. Deshalb müssen wir auch weiterhin unsere Bürger für die mit falschem Antibiotikaeinsatz einhergehenden Risiken sensibilisieren“, kommentierte der neue EU-Gesundheitskommissar, John Dalli (siehe Seite 17). Die Kommission will nun ihre Maßnahmen zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenz durch verstärkte Zusammenarbeit zwischen ihren Dienststellen verstärken, so dass „alle Aspekte dieser Gefahr berücksichtigt werden“. Darüber hinaus wird die Kommission auch weiterhin das Bewusstsein für den richtigen Antibiotikaeinsatz schärfen, indem sie die Mitgliedstaaten und das Europäische Zentrum für die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) dabei unterstützt, dem „Europäischen Tag zur Sensibilisierung für Antibiotikaresistenz“ – der letzte fand am 18. November 2009 statt – zum Erfolg zu verhelfen.

 

 http://ec.europa.eu/health/eurobarometers/index_en.htm

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