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Prof. Mag. Dr. Otmar Weiß Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport, Universität Wien

 
Gesundheitspolitik 21. April 2010

Bewegende Ergebnisse

 Der gesundheitsökonomische Nutzen von körperlicher Aktivität und Sport ist Thema des 12. Österreichischen Präventionstagung des Fonds Gesundes Österreich.

Ein starkes Argument für die Akzeptanz von Bewegung und Sport als Gesundheitsförderung ist deren ökonomischer Wert. Dieser lässt sich als lohnende Perspektive errechnen. Mit Hilfe eines interdisziplinären Cost-Benefit Modells wurden die volkswirtschaftlichen Kosten von Sportunfällen dem gesundheitsökonomischen Nutzen von Bewegung und Sport gegenübergestellt.

 

Die Direktkosten (medizinische Behandlung und Rehabilitation) von etwa 99.000 Sportunfällen, die sich 1998 in Österreich ereignet haben, sowie deren Folgekosten (Krankenstand, Invalidität und Unfalltod) belaufen sich auf zirka 301 Mio. €. Etwa die Hälfte dieses Betrags ergibt sich durch „beruflichen Produktionsausfall“, ein Drittel durch Krankenstände und circa ein Fünftel durch die Kosten für medizinische Behandlung und Rehabilitation. Wobei über 60 % der medizinischen Behandlungskosten auf drei Sportarten – in der Reihenfolge Alpiner Schilauf, Fußball und Radfahren – zurückgehen. Die hohe Zahl der Verletzten hängt hier mit der hohen Zahl der Ausübenden zusammen.

Die Bewertung des Nutzens erfolgte in diesem Modell in zwei Schritten: Zunächst wurden die volkswirtschaftlichen Kosten von Krankheiten, für deren Auftreten Bewegungsmangel einen Risikofaktor darstellt, ermittelt (Grafik 1). Dann wurde der Beitrag berechnet, den körperliche Aktivität zur Minderung dieser Kosten leistet (Grafik 2).

Das Riskikogruppen-Modell

Dies geschah mit Hilfe eines Risikogruppen-Modells, das angibt, um welchen Faktor (Vielfaches von 1) die Wahrscheinlichkeit steigt, an bestimmten Krankheiten zu erkranken oder zu sterben, wenn man körperlich inaktiv ist (Grafik 3 direkt unterhalb).

Bei den untersuchten Krankheitskreisen (Grafik 1) ist das Risiko (Relative Risk) zu erkranken bzw. zu sterben für die (hoch) Aktiven am geringsten, gefolgt von den moderat Aktiven. Die Gruppe der Inaktiven bzw. geringfügig Aktiven ist am stärksten gefährdet. Aus der Größe der Risikogruppen und ihren „Relative Risk“-Werten kann mit dem Modell nach Colditz (1999) die Risikoverminderung durch Sportausübung quantifiziert und somit die Einsparung volkswirtschaftlicher Kosten eruiert werden.

Der Nutzen (=Einsparungen) des gegebenen Levels sportlicher Aktivität in Österreich beträgt rund 566 Mio. € pro Jahr und ergibt sich überwiegend aus Einsparungen in den Kostenarten „Beruflicher Produktionsausfall durch Tod“ sowie „Behandlungskosten“.

265 Euro Millionen Saldo

Der positive Saldo von rund 265 Mio. € lässt sich in erster Linie dadurch erklären, dass Sportverletzungen meist kürzere und kostengünstigere Behandlungen nach sich ziehen als Erkrankungen, die auf Bewegungsmangel zurückgehen und meist wesentlich schwerere Verläufe (inklusive Mortalität) aufweisen.

Die durch relative Inaktivität der wenig oder gar nicht sportausübenden Bevölkerungsgruppe verursachten Kosten belaufen sich auf rund 836 Mio. €, die eingespart werden könnten, wenn es gelänge, diese Risikogruppe zu Bewegung bzw. Sportausübung zu motivieren.

Erste Schätzungen des volkswirtschaftlichen Nutzens der Gesundheitseffekte der körperlichen Aktivität für die Schweiz ergeben ein ähnliches Bild (Tabelle).

Studie zur Sportförderung

In Österreich wurde im Anschluss an die Gesundheitsstudie eine „Aktivierungsstudie“ (siehe Literatur) durchgeführt.

Wichtigste Aufgabe war die Erstellung eines Maßnahmenkatalogs zur Förderung des Sportengagements in Österreich. Diese Maßnahmen zielen auf ein neues Selbstverständnis der Sportvereine und -verbände sowie generell auf ein neues Image von Bewegung und Sport in Österreich ab. Neben den traditionellen Aufgaben im Leistungs- und Wettkampfsport übernehmen Sportvereine und -verbände Aufgaben in der Prävention und Gesundheitsförderung, die – ggf. in Kooperation mit anderen Institutionen und mit Hilfe begleitender Werbekampagnen – noch weiter ausgebaut werden sollten.

Veranstaltungstipp

Präventionstagung des FGÖ zum Thema "Leben in Bewegung"
am 22. und 23.4. in Wien

Fond Gesundes Österreich

 

Literatur:

BASPO et al. (2001): Volkswirtschaftlicher Nutzen der Gesundheitseffekte der körperlichen Aktivität: erste Schätzungen für die Schweiz. Schweiz Z Sportmed Sporttraumatol 49 (2), S. 84-86.

Colditz G. A. (1999) Economic costs of obesity and inactivity. In: Medicine & Science in Sports & Exercise. 633–667.

Weiß O. et al. (1999) Sport 2000. Entwicklungen und Trends im österreichischen Sport. Wien.

Weiß, Otmar et al. (2001): Sport und Gesundheit. Die Auswirkungen des Sports auf die Gesundheit – eine sozio-ökonomische Analyse. Wien.

Weiß, Otmar et al. (2006): Mehr Österreicher/innen zum Sport. Eine Aktivierungsstudie zur Förderung des Sportengagements in Österreich. Wien.

Gesundheitsökonomische Kosten/Nutzen-Bilanz sportlicher Aktivität
 ÖsterreichSchweiz
Nutzen von Sportausübung (vermiedene Krankheitsfolgekosten) 566 Mio. € 4,1 Mia. CHF (2.73 Mia. €)
Kosten von Sportausübung (Sportunfallfolgen) 301 Mio. € 3,4 Mia. CHF (2.27 Mia. €)
Saldo 265 Mio. € 0,7 Mia. CHF (0.46 Mia. €)
Einsparungspotenzial   2,4 Mia. CHF (1.60 Mia. €)
    Quelle: Schweiz Z Sportmed Sporttraumatol 2001
Tabelle

 

Von Prof. Mag. Dr. Otmar Weiß, Ärzte Woche 16 /2010

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