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Gesundheitspolitik 24. April 2010

Unrentable Ambulatorien, wo bleibt die Lösung?

Ein öffentlich gewordener Prüfbericht stellt den Fachambulatorien kein gutes Zeugnis aus.Kritiker fordern Konsequenzen, von Strukturreformen bis zu Schließungen. Drei Standpunkte zum Thema.

Scharfer Kritik sehen sich derzeit die Krankenkassen hinsichtlich des Betriebs ihrer Ambulatorien ausgesetzt. Die Basis dafür bildete ein interner Einschaubericht des Gesundheitsministeriums über die heimischen Kassenambulatorien, der von der Wochenzeitschrift NEWS veröffentlicht wurde. Neben anderen Medien sprangen bald auch Organisationen wie die Pharmig und Oppositionspolitiker auf den Zug auf und legten noch ein bisschen schärfer nach. Dem Prüfbericht zufolge wiesen 2008 nur zwei von 28 Ambulatorien der Krankenkassen eine positive Rentabilität auf. Bei der Hälfte aller geprüften Fachambulatorien würden nicht einmal die Sach- und Personalkosten sowie der medizinische Aufwand gedeckt.

Neben Ambulatorien in Wien und dem Burgenland wird auch die oberösterreichische Gebietskrankenkasse dezidiert genannt. In Oberösterreich sollen alle geprüften Fachambulatorien eine entsprechende negative Rentabilität aufweisen.

Der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs hat als Folge des Berichts die Krankenkassen aufgefordert, „endlich zu handeln“. Konkret wird den Verantwortlichen fehlende Transparenz und Ineffizienz vorgeworfen und deren Solidarität bei den notwendigen Kosteneinsparungen im Gesundheitsbereich eingefordert. Aber auch Teile der Opposition nützen den Bericht für ihre politischen Forderungen. Während die einen konsequente Strukturreformen verlangen, um die Wirtschaftlichkeit der Ambulatorien nachhaltig zu verbessern, stellen die anderen die Sinnhaftigkeit dieser Einrichtungen grundsätzlich in Frage und plädieren für einen Rückzug der Krankenkassen auf die reine Finanzierung von Gesundheitsleistungen.

 

     

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
Rentabilität ist nicht der einzige Maßstab in der Versorgung.
Die OÖ Gebietskrankenkasse betreibt vier Fachambulatorien und 14 Zahnambulatorien. In diesen Einrichtungen werden pro Jahr 250.000 Patienten betreut und fast 1,3 Millionen einzelne Behandlungen erbracht. Unsere medizinischen Einrichtungen haben einen klaren Versorgungsauftrag.
Mag. Dr. Andrea Wesenauer Leiterin der medizinischen Einrichtungen und  des gesamten Kundenservice der OÖ GGK
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Standpunkt 2
Nachhaltige Sanierung der Krankenkassen nicht blockieren.
Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist gerne laut, wenn es darum geht, von Vertragspartnern Kostensenkungen zu fordern. Bei Einsparungen in den eigenen Häusern ist er lieber leise. Mit diesem Schutzverhalten blockiert er eine nachhaltige Sanierung der Krankenkassen.
Dr. Hubert Dreßler Präsident des Verbandes der pharmazeutischen Industrie Österreichs
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Standpunkt 3
Krankenkassen sollen sich auf Kernaufgaben konzentrieren.
Der aktuelle Bericht des Gesundheitsministeriums über die negative Gebarung der kassaeigenen Ambulatorien ist ein Beweis für die Effektivität des niedergelassenen Bereiches und gleichzeitig die Bestätigung für die Nachteile staatlich geführter Gesundheitseinrichtungen.
NAbg. Dr. Andreas Karlsböck Ärztesprecher der FPÖ
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Von Mag. Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 16 /2010

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