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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel. Sie ist Medizinerin und Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 13. April 2010

Kampf auf EU-Ebene gegen Kindesmissbrauch im Internet

Bereits im März 2009 hat die Europäische Kommission zwei Vorschläge für die verstärkte Bekämpfung von Kinderpornografie, sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung von Kindern verabschiedet. Unter anderem werden nun die „neuen“ Formen des Missbrauchs – wie etwa die Kontaktaufnahme und das Anlocken von Kindern per Internet, das reine Betrachten (ohne Herunterladen) von Kinderpornographie oder die Zurschaustellung von Kindern vor Webcams – unter Strafe gestellt. Sogenannte „Sextouristen“, die im Ausland Kinder missbrauchen, sollen nun in ihrem Heimatland strafrechtlich verfolgt werden. Und die Täter sollen nicht nur in dem Land, in dem sie verurteilt wurden, von Kontakten mit Kindern ferngehalten werden, sondern EU-weit.

Ebenfalls im März 2009 erklärte Jacques Barrot, Vizepräsident der Europäischen Kommission und für Justiz, Freiheit und Sicherheit zuständig, dass die EU-Kommission 427.000 € für die Europäische Finanzkoalition (EFK) zur Verfügung stellen wird. Die EFK ist eine öffentlich-private Gruppe, in der unter anderem Europol, MasterCard, VISA Europe, PayPal oder auch Microsoft vertreten sind, und die im Kampf gegen Kinderpornografie im Internet zusammenarbeitet. Hauptziel der Gruppe ist es, den Kauf von Kinderpornografie per Kreditkarte oder mit Hilfe anderer elektronischer Zahlungssysteme zu verhindern. Jacques Barrot bittet um mehr Unterstützung: „Es ist eine Tatsache, dass das rasche Wachstum des Internets einen beunruhigenden kriminellen Markt für Bilder, die den sexuellen Missbrauch von Kindern darstellen, ermöglicht hat. Die Europäische Finanzkoalition wird dazu beitragen, Opfer leichter als solche zu erkennen und zu schützen, und vor allem die Gewinne aus diesen kriminellen Handlungen einzuziehen. Damit die Koalition ihre volle Wirksamkeit entfalten kann, benötigen wir aber weitere Partner, auch die Mitgliedstaaten.”

„Erst denken, dann posten!“

In diesem Zusammenhang appellierte die EU-Kommission am „Tag des sicheren Internets“ am 9. Feber 2010 auch an die Betreiber sozialer Netzwerke wie Facebook oder Beebo, Kinder besser zu schützen. Die meisten der Unternehmen haben zwar schon die Online-Risiken für Minderjährige vermindert, indem beispielsweise das Blockieren von bestimmten Nutzern und das Löschen unerwünschter Inhalte erleichtert wurden. Doch ...

  • nur 40 Prozent der Anbieter sozialer Netzwerke erstellen bei Nutzern unter 18 Jahren Profile, die standardmäßig nur von deren Freunden eingesehen werden können – also automatisch als „privat“ eingestuft werden,
  • nur ein Drittel der Unternehmen reagiert auf Nutzermeldungen, in denen um Hilfe gebeten wird,
  • lediglich elf von 22 unternehmen machen es unmöglich, persönliche Profile Minderjähriger über Suchmaschinen zu finden.

Die grundsätzliche Botschaft an Kinder und Jugendliche lautet jedenfalls: „Erst denken, dann posten!“

Zahlen und Fakten

Studien deuten darauf hin, dass eine nicht unerhebliche Minderheit von Kindern in Europa, wissenschaftlichen Schätzungen zufolge zwischen zehn und 20 Prozent, während ihrer Kindheit sexuell missbraucht wird. Im Jahr 2008 wurden über 1.000 kommerzielle und rund 500 nicht-kommerzielle Webseiten kinderpornografischen Inhalts aufgedeckt, davon 71 Prozent in den USA. Durchschnittlich rund 20 Prozent der Sexualstraftäter (mit großen Unterschieden zwischen den verschiedenen Täterprofilen) dürften nach ihrer Verurteilung erneut straffällig werden.

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