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Foto: Ernst Rose / PIXELIO
Ärzte auf dem Weg nach oben: Gut ausgebildete Mediziner müssen auch im Interesse von Gemeinden und Ländern sein.
 
Gesundheitspolitik 13. April 2010

Karriereperspektiven für junge Mediziner

Der Run auf die deutsche Berufsorientierungsmesse DocSteps macht deutlich, dass Jungärzte in Sachen Karriereplanung noch Nachholbedarf haben.

Die zweite Auflage der Karrieremesse DocSteps informiert dieses Wochenende in Berlin über mögliche Perspektiven und Karrierechancen für Medizinstudenten und Jungärzte. Auch in Österreich wird das Thema Aus- und Weiterbildung wieder einmal heiß diskutiert: Bringt der neue Kollektivvertrag für Turnusärzte die Lehrpraxen in Gefahr?

Nach der erfolgreichen Premiere 2008 veranstaltet der Marburger Bund von 17. bis 18. April im ICC Berlin zum zweiten Mal einen Kongress für Medizinstudierende und junge Ärzte zur Berufsorientierung und Karriereplanung. Die "DocSteps 2010 Reloaded – Der Arztberuf in Deutschland und weltweit" wird unter dem Motto „Einstieg zum Aufstieg“ über die beruflichen Perspektiven von Medizinern in Deutschland und im Ausland informieren sowie alternative Karrieremöglichkeiten abseits der klassischen Arztberufe aufzeigen.

Dichtes Kongressprogramm

Aussteller nutzen den Kongress, um sich potenziellen Kunden zu präsentieren. Dazu zählen Krankenhäuser und internationale Organisationen ebenso wie Weiterbildungsakademien, Jobportale, Versicherungs-, Beratungs-, Finanzdienstleistungsunternehmen und natürlich die Pharmabranche. Natürlich bietet die Veranstaltung darüber hinaus auch hervorragende Möglichkeiten zum „Netzwerken“ und Knüpfen von Erstkontakten.

Das vielschichtige Vortragsprogramm renommierter internationaler Referenten bildet das Rückgrat des Kongresses. „Der enorme Zuspruch bestätigt unser Anliegen, junge Ärzte und Medizinstudierende bei ihrem Einstieg zum Aufstieg zu unterstützen“, sagt Dr. Magdalena Benemann, die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Marburger Bundes: „DocSteps wird damit zu dem Treffpunkt für junge Ärzte und alle, die mit ihnen zusammenarbeiten.“

Für den 1. Vorsitzenden des Marburger Bundes, Rudolf Henke, ist es besonders wichtig, die sich ändernden Rahmenbedingungen und die damit verbundenen neuen Herausforderungen für die medizinischen Berufe in den Mittelpunkt der Diskussionen zu rücken. Henke sieht in diesem Zusammenhang vor allem eine – sowohl fachliche als auch regionale – Erweiterung der beruflichen Perspektiven für Ärzte: „Der heutigen Ärztegeneration steht ein breites Spektrum interessanter Tätigkeitsbereiche im In- und Ausland zur Auswahl. Durch eine Plattform wie DocSteps kann der Marburger Bund seine Erfahrungen als größter Ärzteverband Europas an junge Kolleginnen und Kollegen weitergeben und einen umfangreichen Überblick über die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen bieten.“

Das Vortragsprogramm der DocSteps 2010 Reloaded umfasst unter anderen Themenkomplexe wie den Berufseinstieg, Chancen als Arzt im Ausland, Weiterbildung im In- und Ausland, Ärzte in der Pharmaindustrie, Krankenhausmanagement oder arztspezifische Tarifverträge.

Die Zukunft für Lehrpraxen

Der letztgenannte Punkt – die arztspezifischen Tarifverträge – könnte auch hierzulande durchaus Anlass für hitzige Diskussionen geben. Gemeint ist der neue Kollektivvertrag für Turnusärzte in einer Lehrpraxis. Er könnte, so meinen jedenfalls seine Kritiker, dazu führen, dass zukünftig noch weniger niedergelassene Ärzte zu motivieren sind, diesen Teil der Ausbildung aktiv zu begleiten.

Im Mittelpunkt der heimischen Diskussionen stehen dabei die neu, nämlich nach der jeweiligen Berufserfahrung gestaffelten Gehälter für Turnusärzte. Angehende Mediziner, die am Beginn ihrer Ausbildung stehen, erhalten 1.300 Euro im Monat, bei einer Turnuszeit von mehr als vier Jahren nach Studienabschluss können es bis zu 2.600 Euro sein.

Einer der Kritiker ist Dr. Michael Wendler, der selbst seit vielen Jahren eine Lehrpraxis in Graz anbietet. Er befürchtet, dass es aufgrund der neu gestalteten Rahmenbedingungen aus dem Kollektivvertrag zukünftig „noch viel weniger Lehrpraxen geben wird als bisher. So wird dieses Projekt endgültig umgebracht.“ Wendler glaubt, dass sich die Kosten für die Lehrpraxisinhaber, die nicht in den Genuss einer Förderung durch das Gesundheitsministerium kommen, verdoppeln könnten. „Wer soll sich das dann noch leisten können?“, fragt er.

Für Dr. Günther Wawrowsky, den Vorsitzenden der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte, die den neuen Kollektivvertrag mitgestaltet hat, war die Initiative grundsätzlich richtig: „Es gab ja bislang eine Empfehlung, für 35 Wochenstunden 1.100 Euro zu zahlen – immer wieder berichteten Kollegen, dass sie teils deutlich weniger verdienten.“

Einig sind sich Wendler und Wawrowsky in ihrer Einschätzung, dass die Lehrpraxis einen unverzichtbaren Teil der Ausbildung zum Mediziner darstellt. Wawrowsky sieht in ihr auch einen wesentlichen Schlüssel für das Projekt Facharzt für Allgemeinmedizin, zu dem bereits alle Konzepte ausgearbeitet am Tisch liegen, die nötigen politischen Schritte aber noch auf sich warten lassen.

Übereinstimmung herrscht zwischen den beiden Medizinern aber auch darin, dass sich bei der Finanzierung der Lehrpraxen zukünftig etwas ändern muss. Wawrowsky bringt dabei die Verantwortung von Öffentlichkeit und Kommunen ins Spiel: „Gut ausgebildete Mediziner – und diese sind ohne Lehrpraxis nicht möglich – müssen auch im Interesse jener sein, denen dann diese Ärzte zur Verfügung stehen, also Gemeinden und Länder. Die höheren Kosten dürfen auf Dauer nicht alleine auf den Schultern der ausbildenden Ärzte liegen.“

Wendler sieht neben notwendigen Änderungen in der Finanzierung auch Nachholbedarf in puncto Qualitätssicherung, denn die „aktuellen Lehrmethoden sind oft weit weg von internationalen Standards“. Es gebe zwar seitens der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin immer wieder Fortbildungen für Lehrpraxisinhaber, diese seien aber rein freiwillig, kritisiert Wendler und fordert eine verpflichtende Fortbildung für alle Lehrpraxisinhaber.

Von Mag. Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 15 /2010

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