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Foto: Bernd Boscolo / PIXELIO
Frauen jeden Alters haben freien Zugang zur Notfallverhütung.
 
Gesundheitspolitik 7. April 2010

Rezeptfrei für den Notfall

Vom gerissenen Kondom und Verhütungspannen jeglicher Art bis hin zu sexuellem Missbrauch: Levonorgestrel ist in Österreich zur Verhütung einer Schwangerschaft als „Notfallpille“ seit Dezember des Vorjahres für Frauen „jeden Alters“ rezeptfrei zugänglich.

Die Rezeptfreistellung Ende 2009 hat die Diskussion über die "Pille danach" erneut entfacht. Als im Februar dieses Jahres bekannt wurde, dass in seinem Bundesland eine bis zu 30-prozentige Absatzsteigerung in den Apotheken verzeichnet wurde, verlangte der Vorarlberger Gesundheitslandesrat die Wiedereinführung der Rezeptpflicht.

Österreichweit gibt es noch keine Statistik, die erhöhte Nachfrage im westlichsten Bundesland wird mit regionalen Besonderheiten, unter anderem mit Pillentourismus aus Deutschland, wo Notfallverhütung nach wie vor rezeptpflichtig ist, in Zusammenhang gebracht. Kritiker sprechen von einer "Hormonbombe" und befürchten einen leichtfertigen Umgang mit der Pille.

Die Befürworter erhoffen sich einen Rückgang der Schwangerschaftsabbrüche. Levonorgestrel (Vikela®) muss innerhalb von 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden, um die Ovulation zu verhindern. Die größten Chancen dazu bestehen in den ersten zwölf Stunden. Es handelt sich um keine "chemische Abtreibung", da eine Nidation noch gar nicht stattgefunden hat. Ist die Einnistung bereits geschehen, ist keine Verhütung mehr möglich, andererseits wird eine bestehende Schwangerschaft durch Levonorgestrel nicht gefährdet.

Vikela® ist als Notfallkontrazeptivum gedacht und nicht als reguläre Verhütungsmethode. Apotheken und Praxen werden in einem Informationsschreiben des Gesundheitsministeriums auf eine dementsprechende Aufklärungspflicht ihren Patientinnen gegenüber hingewiesen. Eine Nachuntersuchung beim Gynäkologen wird "nachdrücklich“ empfohlen. Aufgeklärt soll auch darüber werden, dass die Notfallpille keinen Schutz vor HIV oder sonstigen sexuell übertragbaren Krankheiten gewährt.

Außerdem wurde eine Info-Homepage eingerichtet (http://www.notfallpille.at/) Seit 1. Jänner dieses Jahres steht auch die neue Notfallpille ellaOne® zur Verfügung. Sie besitzt eine konstante Wirkung bis zu 120 Stunden und ist rezeptpflichtig. Der sogenannte „Notfallparagraf“ des Rezeptpflichtgesetzes berechtigt den Apotheker, die Pille "in besonderen Notfällen“ auch rezeptfrei abzugeben.

Standpunkt 1
"Notfallpille" griffbereit für jede private Hausapotheke
Prof. Dr. Daniela Dörfler, Universitäts-Frauenklinik Wien

Standpunkt 2
Keine Einmischung der Politik in die Medizin
Prim. Dr. Hans Concin Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Bregenz

Standpunkt 3
Wie sorglos wird der Umgang mit Sexualität?
Prof. Dr. Romeo Reichel Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Wien und Diakon der Erzdiözese Wien

 

Von Reinhard Hofer, Ärzte Woche 14 /2010

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