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Foto: ©iStockphoto.com/joebelanger
 
Gesundheitspolitik 23. März 2010

Zuständig sind alle und doch keiner

Hospiz und Palliative Care als Spielball zwischen Bund und Ländern, Sozial- und Gesundheitspolitik.

„Nach wie vor gibt es in Österreich keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Hospiz- und Palliative-Care-Versorgung. Dass diese bis auf die Tagsätze in den Spitälern und Hospizen kostenlos ist, wird nur durch Spenden ermöglicht – eine unsichere Einnahmequelle“, sagt Mag. Leena Pelttari-Stachl, MAS, Geschäftsführerin von Hospiz Österreich.

 

Trotz gesicherter Finanzierung stagniert der Ausbau der Hospiz-Versorgung. Bis Ende 2008 wurden 54 Prozent der geplanten Strukturänderungen in bestehenden Palliativstationen durchgeführt. Für neue Betten fehlt aber trotzdem das Geld. „Nur die bestehenden Palliativstationen sind durch die Regelfinanzierung abgesichert. Es bräuchte zusätzlich einen Ausbau von 46 auf 165 Hospizbetten“, sagt Mag. Pelttari-Stachl, Geschäftsführerin von Hospiz Österreich.

Bei den Mobilen Palliativteams sind zur Zeit nur knapp die Hälfte der benötigten Teams im Einsatz. Der Großteil davon allerdings in nur zwei Bundesländern. Niederösterreich und die Steiermark übernehmen hier eine Vorreiterrolle. „Nach wie vor besteht die Forderung, dass für jedes Krankenhaus und für alle Heime palliative Konsiliarteams zur Verfügung stehen“, so Ulrike Schermann-Richter, zuständige Referentin im Gesundheitsministerium. Derzeit gibt es 31, wobei diese damit kämpfen, dass mobile Palliativteams bislang nicht im System der leistungsorientierten Krankenhausfinanzierung vorkommen.

Fixe Finanzierung fehlt

Bei den135 Hospizteams sieht es besser aus: Bis auf Wien ist laut Schermann-Richter eine flächendeckende Versorgung gegeben – „allerdings gibt es überall einen großen Aufholbedarf bei den hauptamtlichen Koordinationspersonen“.

Tatsache ist, dass die Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich vorangetrieben werden soll. „Entsprechende Vorgaben finden sich in der §15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern und im aktuellen Regierungsprogramm“, erklärt Schermann-Richter. „Gleichzeitig fehlt jedoch nach wie vor eine fixe Finanzierungsregelung und so die wesentlichste Voraussetzung für einen zügigen Ausbau“ – zudem gebe es einige bürokratische und rechtliche Hürden. Seit 2009 gibt es ein Projekt mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen für eine abgestufte Hospiz- und Palliativversorgung zu verbessern, dabei wird vor allem auch die Situation in den Bundesländern evaluiert.

Nur in der Steiermark ist die Hospiz- und Palliativversorgung bereits heute Teil der Regelfinanzierung. „Es bräuchte auch in den anderen Bundesländern, aufbauend auf die Reformpoolprojekte im Burgenland, in Kärnten, Niederösterreich, Tirol und Vorarlberg, einen Einigungsprozess zwischen Gesundheits- und Sozialbereich als wichtigen Schritt“, meint Schermann-Richter. Ähnlich sieht das Pelttari-Stachl: „Auch auf Österreichebene wäre eine bereichsübergreifende Koordinationsstelle wichtig, die im Bundeskanzleramt angesiedelt sein könnte.“ Ziel müsse sein, dass die Hospiz- und Palliativversorgung nicht länger ein Spielball zwischen thematischen und regionalen Zuständigkeiten ist und eine langfristige Finanzierung eine sichere Basis für alle Beteiligten bildet.

Für Dr. Franz Zdrahal, Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG – www.paliativ.at) und ärztlicher Leiter der Caritas Wien, ist ein wesentlicher Punkt, dass trotz klarer Vorgaben durch das ÖBIG-Konzept in der Umsetzung durch die Länder unterschiedliche Strukturen entstanden sind. „Ein Problem ist etwa, dass viele mobile Palliativteams nachts und am Wochenende nicht erreichbar sind oder keine ärztliche Bereitschaft anbieten können“, meint Zdrahal, der bereits 25 Jahre Erfahrung im mobilen und stationären Palliativbereich hat.

Wichtige Bildungsimpulse

Wäre ein Großteil der Allgemeinmediziner und mobilen Pflegedienste palliativ geschult, gäbe es dieses Problem nicht. Wobei Schulungen „ein Vorhaben sind, das sicher noch ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen wird“, so Zdrahal. Schon vor elf Jahren begann die OPG, Ärzte palliativ auszubilden. Aus diesem Lehrgang wurde ein Palliativdiplom der Österreichischen Ärztekammer, das nun auch von anderen Trägern angeboten wird. „Leider konnte unser ursprünglich geplantes Curriculum – 120 Stunden plus zwei Monate Praxis – nicht umgesetzt werden, es blieben 60 Stunden Theorie ohne verpflichtende Praxis über“, bedauert Zdrahal. Derzeit ist ein Curriculum der OPG in Begutachtung, „wir sehen das als Vorstufe zum Additivfach“. Denn, so Zdrahal weiter, „nach Einführung des Facharztes für Allgemeinmedizin sollte die Spezialisierung auf ein Additivfach erweitert werden.“ Pelttari-Stachl verweist zusätzlich auf den Universitätslehrgang Palliative Care, der von Hospiz Österreich, der Privaten Medizinischen Uni Salzburg und St. Virgil angeboten wird.

Meilensteine
1987 gründete Sr. Hildegard Teuschl CS, die im Vorjahr verstorbene Pionierin der österreichischen Hospizbewegung, die Arbeitsgruppe „Wiener Hospizteam“. Daraus entstand, nach anfänglicher Unterstützung durch die Caritas Socialis, 1989 das erste mobile Hospizteam als Dienst der Caritas Wien.
1992 wurde am Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien die erste Palliativstation Österreichs eröffnet, 1997 startete in der Steiermark das steirische Pilotprojekt „Stationäre Palliativbetreuung“. 1999 war im Österreichischen Krankenanstaltenplan erstmals die Rede von „Palliativbetten.“
2004 wurde vom Österreichischen Bundesinstitut Gesundheit gemeinsam mit dem Dachverband Hospiz Österreich ein umfassendes Hospiz- und Palliativversorgungskonzept mit sechs Bausteinen entwickelt: mobile Hospizteams (hauptsächlich ehrenamtlich, im Optimalfall mit unterstützenden hauptberuflichen Strukturen), Palliativkonsiliardienste (vor allem für Spitäler, Alters- und Pflegeheime), mobile Palliativteams, Palliativstationen, stationäre Hospize und Tageshospize.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 12 /2010

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